Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 25 (1876)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Herr Russel Martineau, Professor ...]
- Date
- 1876-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829472-2829475--16698-2869197- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Notizen. m uitb sich so rtent wickelt, ist und bleibt ein Phänomen, das seines Gleichen in der Völkergeschichte sucht. Und ein solches Phänomen ist auch zukunftsträchtiq. Einfach und negativ ausgedrückt, sagte es nichts Anderes aus, als daß die Mission des Volkes, das von Israel stammt und eine viertausendjährige Geschichte hat, noch nicht zu Ende ist. Damit ist aber Ewald's Auffassung der Geschichte Israels vollständig gerichtet. In Ewald gipfelt die reiche Geschichte dieses Volkes in dem dunklen Vorgänge in Nazaret oder Bethlehem welcher der ״Fülle der Heiden" die vollkommene Religion gebracht habe, die sich in den historischen Conflikten dieser Rasse entwickelt hat. Die lebensvollen Kräfte, welche bis zu diesem Tage Wunder zu Tage gefördert hatten, wären mit einem Male abgestorben. Bei der Geburt des Nazaräers stirbt Israel, nach Ewald's Auffassung der Geschichte. Eine Leiche, welche noch fast zwei Jahrtausende wandelt, wächst, Jugendfrische und Jugendkraft zeigt, an der Einsargung neuer Nationen und weltgeschicktlicher Schöpfungen nicht bloß als Zeuge dastehi, eine solche Leiche spottet der Kinderei dieser Kathederweisheit, die, was nicht in ihren Heften steht, als nicht existirend verleugnet. Aber nicht bloß die Verkennung des Trägers der Geschichte Israels zeigt die Verkehrtheit von Ewalds Auffassung und Darstellung, fonbecu auch ganz andere Seiten. Die Bedeutung des Volkes Israel liegt noch tiefer als in der bloßen Ausweitung der ״vollkommeneu Religion". Es ist erfreulich, daß in England, wo Ewald's wissenschaftliche Verdienste in einigen Kreisen überschätzt werden, auch die Schwächen deffelbeu nicht verkannt werden. Wie Basnage's Geschichte der Juden, die auch eine christologische Tendenz hat, so wird auch Ewald's Geschichte Israels mit der Zeit nur als eine interessante bibliographische Notiz figuriren.