Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 23 (1874)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Zur Entlehnung indischer Fabeln aus der hebräischen Literatur
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 384 (sequence 2)
- Language
- German
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384 Notiz. Dichter vom Jahre 1610. Im Anhangs zu diesem Gedichte findet sich eine Erzählung mit der Ueberschrift: Der Pandit und die I a k i n n i. Der Gelehrte und der weibliche Dämon. Der Inhalt der Erzählung erinnert an das Salomonische Nrtheil. Einer Frau, welche ihr Kind in einem Teiche baden wollte, wurde dasselbe von einer Jakinni geraubt, und diese erklärte es frech als ihr eigenes. Die wehklagende Mutter rannte ihr lange vergebens nach, endlich brachte sie sie dahiit, sich mit ihr zur Halle eines großen Panditen zu begeben, der damals in Ceylon lebte und berühmt war. Beide Weiber, die Mutter und Jakinni machten in dessen Gegenwart das Eigenthunisrecht ans das Kind geltend, wie in der Geschichte Salomo's. Darauf entschied der Richter folgendermaßen: die eine von ihnen soll das Kin-d an den Armen und die andere an den Beinen fassen, und beide sollen es dergestalt über eine gezogene Linie mit Kraft ziehen. Diejenige, welche das Kind über die Linie hinaus, näher zu sich reißen würde, soll als Eigenthümerin angesehen werden. Die echte Mutter mochte aber auf diese Probe nicht eingehen, dem Kinde Schmerzen zu verursachen, und verzichtete lieber darauf. Darauf sagte der Pandit: ״die, welche Mitleid mit dem Kinde zeigt, ist die rechte Mutter; giebt es ihr." Der Pandit entpuppte sich dann als der in allerlei Gestalten sich vermummende Budda. Die Aehnlichkeit beider Erzählungen ist zu frappant, und es leuchtet auf den ersten Blick ein, daß die aus der Bibel bekannt gewordene Geschichte indisch zugestützt wurde.