Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 23 (1874)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Anklageartikel gegen den Talmud und ihre Vertheidigung durch Rabbi Jechiel ben Joseph vor Ludwig dem Heiligen in Paris
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 205 (sequence 2)
- Language
- German
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durch Rabbi Jechiel ben Joseph vor Ludwig dem Heiligen in Paris. 205 stellten die Worte desselben über die der Lehre; denn in der geschriebenen Lehre seien zahlreiche Widersprüche enthalten, die man nur mit Hilfe des Talmuds lösen könne. Ja die geschriebene Lehre sei entbehrlicher als der Talniud, da dieser wohl jene enthalte, nicht aber umgekehrt. Nascht und Rabenu Tain, die Nicolaus gegen ihn ins Treffen geführt hat, werden von ihm selbst zur Vertheidigung angeführt und er beweist aus ihnen, daß das Judenthum ohne Talmud unmöglich sei, Beweise, die später vom Papste Innozenz selbst als stichhaltig anerkannt wurden. Nachdem auf diese Weise die Richtigkeit der Aussagen oes Rabbi Jechiel erwiesen war, scheint auf das fernere Verhör der anderen zwei Rabbinen verzichtet worden zu sein. Die jüdische sowohl als die christliche Quelle wissen nur von ben Aussagen der beiden Rabbinen Jechiel und Juda zu berichten, trotzdem sie mehrere Rabbinen als zur Aussage berufen, bezeichnen. Namentlich Jechiel scheint sich mit großer Beredsamkeit seiner Aufgabe entledigt zu haben, und die beiden ihn! gewidmeten Tage gaben der Angelegenheit eine für den Augenblick günstige Wendung. Was mar auch den Juden uachgewiesen worden? Daß ihr Talmud ״Thorheiten" enthalte; die Lästerungen gegen Jesus und die laxe Nloral im Verkehre nüt den Christen konnten nach den übereinstimmenden Aussagen zweier Autoritäten, die nian von einaubet* abgeschlossen hatte, damit sie sich nicht verständigen könnten, rücht als erwiesen betrachtet werden. So wenig man also bisher der jüdischen Quelle Glauben beimesserr wollte, als seien die Juderr aus denr dreitägigen Kampfe siegreich hervorgegangen, wird man sich nach dem Gesagten um so leichter dazu verstehen, als es bisher noch nicht erklärt wurde, warum der Disputation nicht sofort die Verbrennung des Talmud folgte.