Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Salomon Ludwig Steinheim
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 407 (sequence 13)
- Language
- German
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Salomon Ludwig Steinheim. -107 Hast, Du zürnender Vater, Schwert uns genommen und Pflugschaar: Gieb unsrem Geiste Licht von Deinem, Klaren Sinn und feste Zuversicht! Und gieb, daß meine Zunge werde Schwert hier und dort Pflugschaar Hier zu zerschmettern, dort Furchen zu ziehn Einem neuen Acker. Und das thut denn auch Steinheim in seinen Werken über- Haupt, wie in diesen Gedichten zumal. Wenn er auf der einen Seite den Juden, der von Ort zu Ort wandern muß, um sein karges Brod zu verdienen, klagen läßt, daß Gottes Fluch, der den Acker rraf, ein Segensspruch sei im Vergleich zu seinem Loose, denn wenn des Ackrers Stirn vom Schweiße trieft, gedeiht ihn: die Kost, die der Hunger würzt, während sein Schweiß, des ruhelos Wandernden, von! Spotte vergällt wird, vergißt er nicht darum sein Volk zu mahnen: Wisse so lang Du, inein Volk, Irrest unter Götzendienern, ist die Knechtschaft dir Segen, Heil, der Haß der Mächtigeil. So ist Steinheim ein Herold seines Volkes, feines Weh's, seiner Wonnen; schöner haben sicherlich Andere von der Sendung Israels gesungen; aber inniger, wahrer, treuer hat keiner wol von dem Priestervolk, das zugleich Opfer ist, geredet. Kaum begreifen wir heut die Ausbrüche des Schmerzes, des Zornes, wie sie mit vulkanischem Feuer aus diesen Versen uns entgegenlodern; denn Vieles hat sich geändert. Es giebt jetzt keinen Ort mehr in Deutschland, wo es den Juden verboten ist, sich niederzulassen und Handwerk zu treiben. Der Krämersinn deutscher Kleinbürger ist ohnnlächtig in der neuen Zeit. Um so werthvoller sollten uns solche Klänge aus vergangenen Tagen sein; Menschen wie Steinheim, Rießer u. a. sind die ächten Märtyrer der Civilisation; sie hatten die Bildung, die frei macht, und den Stammesnamen, der sie zu Knechten verwarf; der schreiende Widerspruch zwischen dem Rechte, das die Vernunft ihnen zusprach, und dem Unrecht, das die Gewalt unter der Maske des Gesetzes ihnen anthat, spaltete ihr Leben. Von diesem Martyrium geben Steinheims Lieder eine ergreifende Kunde._Dr. Rippner.