Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Salomon Ludwig Steinheim
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 404 (sequence 10)
- Language
- German
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404 Salomon Ludwig Steinheim. unvermittelter Kürze die Strafen des Abfalls auf und läßt sie niederstürzen über die Götzendiener. Jndeß, wie sehr er das Schicksal seines Volkes beklagt, er verkennt nicht, welchen Trost der Jude in seinem Glauben, itt dem festen Zusammenhang mit seiner Familie, mit seinen Genossen habe: ״denn das Elend vereinigt, während das Glück trennt, das Elend giebt Trost, das Glück Uebermuth und Verzweiflung." Schön und rührend sagt er, Byron hätte in seinen hebräischen Melodiken die Schmach, die Sehnsucht, den Zorn, die Hoffnung Israels besungen: aber er hätte ihm nicht in das innerste Herz schauen können, darum sei ihm Israels Trost verborgen ge-׳ blieben. Meinen Jammer kanntest Du Fremdling! Mein Trost blieb Dir verborgen! Der Fremdling sang meine Sehnsucht, Mein Schmachten nach dem Gute der Freiheit; Denn der Fremdling kannte die Freiheit, der Edle starb für die Freiheit. Er sang die Schmach Israels, Seine Leier klagte zur Harfe Unter Thränen Zions Erinnerung; Denn er kannte die Schmach der Knechtschaft. Es sang den Zorn Israels, Seine Lieder tobten mit Zions; Er ergrimmte dem Unterjocher, er selbst vom Volke der Feinde. Unsere Hoffnung sang der Fremdling, die Hoffnung kannte der Edle, Auf den großen Tag der Erlösung Auf die Rückkehr in die Heimath. Schmach und Sehnsucht, Zorn und Hoffnung, Alle Wünsche des Erdendaseins, Kannte und sang der Fremdling; Sein Lächeln, sein Weinen war lieblich. Meinen Jammer kanntest Du Fremdling, Mein Trost blieb Dir verborgen.