Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1871-01-01 · Heft 6 · p. Seite 254

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
20 (1871)
Issue
Heft 6
Article
R. Isaak b. Mose Or Sarua aus Wien
Date
1871-01-01
Page
Seite 254 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829402-2829409-2865893--13493-2865923
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

254 R. Isaak b. Mose Or Sarua aus Wien. Isaak Or Sarua ist einer der eifrigsten und bedeutendsten Jünger Sir Leon's/) in dessen Geiste er später lebte und wirkte. Von den beiden genannten Jüngern unterscheidet er sich wesentlich. Er verketzerte nicht die Maimunische Philosophie wie Salomo b. Abraham, er bekämpfte sie nicht wie Nachmani, weil er überhaupt von derselben sehr wenig wußte, weil der Gegensatz zwischen Glauben und vernunftgemäßem Erkennen nicht an ihn, der ganz und gar in den talmudischen Gedankenkreis gebannt war, herantreten konnte, »veil er, wie fast alle seine deutschen Zeitgenossen von der großartigen geistigen Bewegung, welche von der Maimunischen Philosophie in Spanien und Frankreich hervorgerufen wurde, nicht unmittelbar berührt worden ist. Diese Bewegung war nicht bis nach Deutschland gedrungen. Die Polemik eines Mose Tako war nur das schwache Echo seiner provenzalischen Gesinnungsgenossen, das ohne jede Nachwirkung verhallte. Man kannte in Deutschland nur den Talmudisten Maimuni, der Philosoph Maimuni blieb den dortigen Juden mehrere Jahrhunderte so gut wie fremd. Charakteristisch für die Geistesrichtung von Isaak Or Sarua ist dessen feste Glaube an Schauergeschichten. Er gibt in seinem Werke 2J ״zur Belehrung und Anleitung zur Frömmigkeit" eine Erzählung, die er ״ftir wahr hält" zunr Besten, wonach ein Verstorbener kurz nach seinem Tode eines Morgens mit einein Kranze im Paradiese gepflückter Blumen auf dem Haupte am' Eingange der Synagoge erschien und sich mit dem ersten au ihn Herantretenden über das jenseitige Leben unterhielt. Ein solcher Glaube kann nur aus einer überspannten mystischen Anschauung, wie sie uns im ״Buche der Frommen" von Jehuda dem Froinmen aus Negeusburg, oder im inhaltlich verwandten ״Sefer Hakabod" von Jehuda Sir Leon aus Paris s) entgegentritt, entspringen, und Isaak Or Sarua war doch der Schüler Beider. ■) א״ז I. p. 23 a. Mardechai Pcs. c. 2. 2) 11 א״ז. p. 18 b. שמעתי אל נכון ואל האמת das. כתבתי אילו המעשים כדי שיראה ירא שמים וישים על לבו. 3) Das ספר החסידים ist deutschen Ursprungs, wurde aber später, wahrschcinlich in Frankreich umgcarbeitct und nahm daselbst größere Partien des ספר הכבוד auf. vgl. gag. Graeh Gesch. B. VI. p. 254.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.