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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1870-01-01 · Heft 12 · p. Seite 538

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
19 (1870)
Issue
Heft 12
Article
Biographie Agrippa's II.
Date
1870-01-01
Page
Seite 538 (sequence 10)
Language
German
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538 Biographie Agrippa's II. Aussicht über Stadt und Umgegend verschaffen zu wollen, und um durch die schöne Naturumgebung die Freuden der Tafel zu erhöhen, wie Josephus beschönigend sagt *), ließ er im königlichen Palast der Herodäer ein hohes Gebäude errichten, von dem aus man zufälliger Weise, wie Josephus meint, auch den Tempelvorhof nach allen Seiten hin übersehen konnte. Das war den Juden denn doch zu stark, und sie erhöhten ohne Weiteres die Tempelmauer um so viel, als erforderlich war, diese Spionage zu vereiteln. Natürlich verlangte Festus, und deswegen auch Agrippa, daß man die Mauer sofort abtrage, doch die Gegen- Partei gab dieses Mal nicht so leicht nach, da es sich um das heiligste Recht der Nation, die freie Verfügung über den Tempelraum, handelte. Der Landpfleger mußte gestatten, daß der damalige Hohepriester Jsmael ben Phabi mit zehn andern angesehenen Männern zum Kaiser gesandt würden, um ihm den Nechtsfall vorzutragen, und zum größten Aerger der Beiden entschied Nero auf die Verwendung der Poppäa zu Gunsten der Gegenpartei. Jsmael ben Phabi hatte es nun mit dem Könige verdorben. Er wurde in Rom mit einem seiner Begleiter, dem Verwalter des Tempelschatzes Helkias, welcher allem Anscheine nach ein gewissenhafter Mann war, als Geißel zurückbehalten. So erzählt Josephusa) die Sache höchst unschuldig und fährt dann sogar fort: ״Als der König das erfuhr, übertrug er das Hohepriesterthum u. s. w. So harmlos war die Sache gewiß nicht. Wofür und weshalb sollten Jsmael ben Phabi und Helkias Geißeln sein? Josephus erzählt es nicht, weil er ebensowenig einen Grund wußte, wie wir. Die beiden Männer hatten sich unliebsam gemacht, und Agrippa verstand es, sich ihrer zu entledigen. Josephus befand sich zu jener Zeit, wie er selbst in ') Arcb. xx, 8, 11. *) Ebendas.

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