Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 19 (1870)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Biographie Agrippa II.
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 443 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829388-2829399-2865441--13029-2865463- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Biographie Agrippa II. 443 er begangen hatte. Agrippa verband damit zugleich den Zweck, sich beim Kaiser wieder in Erinnerung zu bringen und für die Erweiterung seiner Herrschaft zu agitiren. Und er erreichte in der That alles, was er für den Augenblick wünschte, ein geringes Maaß Ansehen bei den Juden und eine bedeutende Vergrößerung des Territoriums. Der Kaiser übertrug ihm die Tetrarchie, die einst Philipp, der Sohn des Herodes, sein Großoheim, gehabt hatte, bestehend aus Batanäa und Trachonitis und dazu noch Abilene, die Tetrarchie des Lpsanias, die auch sein Vater besessen hatte. Er beherrschte jetzt also seit dem Jahre 54 n. Ehr. alles Land, das einst Caligula seinem Vater im Jahre 37 verliehen hatte. Chalcis dagegen wurde ihm genommen und, wie es scheint, ohne Weiteres vollständig dem Weltreiche einverleibt. Doch blieb ihm das früher mit der Krone von Chalcis verbundene Recht der Priestereinsetzung und der Aufsicht über den Tempel. Nun konnte sich der junge Mann freier bewegen, seine Einkünfte waren durch den Länderzuwachs bedeutend vermehrt, und er brauchte wenigstens nicht mehr Schulden zu machen, um das Leben zu fristen. Um die innere Verwaltung seines Landes kümmerte er sich auch in dieser Zeit nicht viel mehr als früher als Fürst von Chalcis; allem Anscheine nach befand er sich aber jetzt häufiger in Palästina, als in der vorigen Periode seines Lebens. Unbesorgt um die schweren Leiden seines Volkes, sehen wir ihn seine Rechte als Familienhaupt desjenigen Zweiges der Herodäer, dem er angehörte, in ausgedehnter Weise ausüben. Er beschäftigte sich vor der Hand mit der Verheirathung seiner drei Schwestern Berenice, Mariamne und Drusilla. Durch den Bericht des Josephus H, so ruhig, und dem Anscheine nach möglichst wenig compromittirend er auch gehalten sein mag, gewin- ') Arch. XX, 7, 1 und 2.