Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Die Asyle der Griechen und Römer verglichen mit der Zufluchtstätte des pentateuchischen Gesetzes
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 571 (sequence 7)
- Language
- German
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verglichen mit der Zufluchtsstätte des pentateuchischen Gesetzes. 571 betrachtung zu stören angethan war; die größte Einfachheit mußte in allen ihren Verhältnissen herrschen, und diese Einfachheit die Stürme der Leidenschasten sänfügen, welche draußen im Gewühle des Lebens in der Menschenbrust toben. Die Zahl der Verbannten, die in der Freistadt aufgenommen wurden, dürfte nur eine geringe sein; es sollte der Charakter der Würdigkeit, den die in derselben wohnenden greisen Männer ihr verleihen, nicht verloren gehen; die große Zahl der Mörder die Schwere des begangenen Mordes nicht in den Augen der Flüchtigen mindern. Mordwerkzeuge dursten daselbst nicht feilgeboten werden, daß ein Mißton den harmonischen Frieden stören, den der Flüchtige als Frucht des Asyls einst mit in die Heimath nehmen muß. Und also waren alle Bedingungen vorbanden, daß das Asyl eine höhere Aufgabe erfülle. Fern von der Behaglichkeit des Familienhauses lebend, wurde der Verbannte ohne Unterlaß an das Menschenleben gemahnt, welches er vernichtet hat; durch die schmer- Zenreichen Wandlungen des Sühnenproresses, den er in der Freistadt durch gemacht, kehrte er, wenn der Tod des Hohenpriesters ihn aus der Verbannung erlöst, von alten Schlacken geläutert in die Heimath zurück; wenn irgend eine Empfindung je der Ring zu einer Kette werden konnte, dessen Ende ein solches Verbrechen zu bilden angethan war; er hatte sie aus seiner Brust gebannt und rein und schuldlos war er wieder sich selbst zurückgegeben. Auch in dieser Erlösung, die der Tod des Hohenpriesters dein Äerbannten brachte, lag ein Gedanke verborgen, der schlummernde, religiöse Gesühle zu wecket! berufen war. Maimuni spricht diesen Gedanken (More nebuchim 3, 40) wie folgt aus: ״Die Befreiung des in das Asyl Verbannten machte das Gesetz von de!n Tode des verehrtesten und geliebtesten aller Dimmer in Israel abhängig, weil hierdurch das Gemüth des Verwandten sich über den Tod der ihm int Leben so nahe gestatrdenen tröstet. Es liegt nämlich in der Natur des Menschen, das; er über sein Unglück Trost findet, wenn auch einem Andern ein ähnliches und größeres Unglück begegnet. Kein Todesfall versetzt uns aber in größere Trauer, als der Tod des Hohenpriesters. Der Tod des Hohenpriesters veranlaßte eine das ganze Volk durchzucketrde Trauer, jeder Einzelne war von dem Schmerze um seinen Hintritt erfüllt. Der Schmerz, die Trauer um den Tod des Verwandten erbleichte in den: Herzen der Hinterbliebenen vor dem gewaltigen Schmerze, mit dem der Tod des Hohenpriesters Jeden in: Volke erfüllte. Der Schmerz, der das ganze Vaterland traf, löschte die Ermnernng an den begangenen Mord in dem Herzen der Hinterbliebenen aus, aber er drang auch in das Asyl und fiel in das Herz des