Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Der Prozeß Eisenmenger
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 430 (sequence 6)
- Language
- German
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480 Der Prezeß Eisenmenger. zumalen dabei bereits erfolgter heimblicher ckistrallirunK einiger cxemplaria solches alles doch vergeblich sein auch allenfalls anderer Orten außer dem Reiche das Buch gedruckt werden könnte, nicht höchstens beschwert, weniger, wie es das Ansehen haben will, in Weitläuffigkert wider Willen verwickelt, sondern mit so vielen tausend unschuldigen, auf offenen Dörfern wohnenden Seelen, sonderlich bei jetzigen gefährlichen Läufen in ruhigen Stand, ohne weitere Anfechtung gelassen werden könne." Wie natürlich, ermüdete Eisenmenger nicht, für die Freigelmng seines Buches Schritte zu thun. Am 13. Juni 1702 reichte er wieder ein Majestätsgesuch ein. In demselben sagt er: ״Da die Juden, welchen das Buch zur Prüfung übergeben wurde, bis jetzt darüber schwiegen, so beweise dieses, daß eben nichts dagegen einzuwenden sei." Wieder hebt er hervor, daß er einen Schaden von 12,000 Fl. erleide, und da die Juden durch ihre Verleumdüngen ihn um seine Ehre und um seinen guten Namen bringen wollten, so sollen sie nachdrücklich angehalten werden, ihm 30,000 Fl. Satisfaction zu zahlen. Man sieht, der gute Mann verstand sich auf's Rechnen. Nun kam ihm noch von einer andern Seite Hilfe. Der königlich preußische geheime Rath und außerordentliche Gesandte, Christian Friedrich v. Bartholdy, verwendete sich im Aufträge seines Monarchen beim Kaiser, 30. Juni 1702, für Eisenmenger. Unter andern! motivirte er die Eingabe mit folgendem Satze, daß man Ursache habe, das Buch freizugeben, wenn es auch nur den Zweck haben sollte, daß eine einzige Christenseele oder doch wie notorisch ist, an den Orten, wo die Juden freieren Stand haben, durch derselben betrügerische Verführungen bis dahin so viel verloreu gegangen sind, errettet, oder ein einziger Jude bekehrt werde. Da diese Intervention erfolglos blieb, so wendete sich der König Wilhelm selbst, 9. September 1702, in einem eigenhändigen Schreiben an den Kaiser. In demselben wird hervorgehoben, daß sowohl römisch-katholische wie auch grundgelehrte Theologen Augsburger Confession, die das Buch gelesen, demselben das Zeugniß geben, es enthalte nichts, was den christlichen Neligionsgrundlehren zuwider sei (als wenn Jemand daran gezweifelt hätte!); es hebe nur die Jrrthümer der Juden hervor. Ueberdies sehe die gelehrte Welt (?) der Freigebung des Buches mit