Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Bericht über die zweite Versammlung des jüdisch-theologischen Vereins, welche vom 29. Juni bis 1. Juli 1869 in Breslau stattgefunden hat
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 343 (sequence 1)
- Language
- German
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Der jüdisch-theologische Verein. 343 I. Bericht über die zweite Versammlung des judisch-theologischeu Vereins, welche uom 29. Juni bis 1. Juli 1869 in Breslau stattgefunden hat. Dir erste Sitzung ward Dienstag den 29. Juni Vormittags 9 Uhr von dem Obmanne des geschäftsleitendeu Comite's, Herrn Dr. Graetz, mit einer Ansprache an die Anwesendem eröffnet. Von den zweiundvierzig Mitgliedern des Vereines waren siebemmdzwanzig erschienen. Die durch Geschäfte, Krankheit, oder Jamilicn-Zlugelegenheiten am Erscheinen Verhinderten hatten im Voraus der Zuversicht Ausdruck gegeben, den Beschlüssen der Versammlung beistimmen zu können. Nach Annahme einer provisorischen Geschäftsordnung ward beschlossen, daß die wissenschaftlichen Vortrüge sowohl, wie die an sie anknüpsenden Debatten öffentlich gehalten werden sollten. Demgemäß hielt nach Schluß der vertraulichen Besprechung Herr Director D1\ Z. Frankel um 11 Uhr vor einem zahlreichen Publikum einen Vortrag über Bedeutung des jüdisch-theologischen Vereines für die Förderung der talmudischen Wissenschaft. Die N ach m itta gs si tz 11 n g ward um 3 Uhr von Herrn D1\ Dl osin eröffnet. Einige Zusätze zu den Statuten des Vereines wurden nach leb- Hafter Debatte beschlossen. Das so amendirte Statril wird binnen Kurzem den Nutgliedern des Vereines gedruckt vorliegen. Der Eomite-Antrag, die Stellung des jndisch-theologisehen Vereines zu den religiösen Bewegungen der Gegenwart durch eine Resolution zu kennzeichen, veranlaßte eine lebhafte Debatte. Von. der einen Seite ward auf die Nothwendigieit hingewiesen, gegenüber den Wirren und Kämpfen der Zeit die Gleichgesinnten nur ein bestimmtes Programm zu vereinigen. Auf der andern Seite wurde geltend gern acht, daß allgemeine gehaltene Resolutionen wenig bedeuten, daß die Freiheit der Bewegung aber durch bestimmt forniulirte Sätze zu beschränken, nicht die Tendenz des jüdischtheologischen Vereines sei, und daß die Mitglieder desselben, einmüthig und geeinigt trotz mancher uvthwendigeu Differenzen, durch ihr praktisches Wirken selbst das unzweideutigste Programm des Vereines bilden. Die Debatte mußte um 71/^ Uhr abgebrochen werden.