Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Gegenerklärung gegen die Erklärung des Dr. Philippson
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 285 (sequence 2)
- Language
- German
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Gegenerklärung gegen die Erklärung des Dr. Philippson. 285 machen wird. Auch konnte ich mir nicht denken, das; sämmtliche Abonnenten auf die Jnstitutsschriften sich unter die vormundschaftliche Curatel des Di. PH. gestellt haben, das; er seelsorgerlich verhüten möge, ihnen ein Buch zukommen zu lassen, welches ihrem Seelenheil, oder wie er es nennt, ihrer Neformrichtung schaden konnte. In diesem Falle hätte ich mich vielleicht aus Gefälligkeit für das Publikum zu einer Concesston herbeigelassen. So aber konnte ich mir eine solche pontificale Jndex-Censur nicht gefallen lassen, obwohl ich es hätte darauf ankommen lassen können, da ich mich Beurtheilung der verschiedenen Richtungen ganz objektiv verhalte und die historische Treue über Alles 'hochstelle, wie sich die Leser hoffentlich in einigen Monaten überzeugen werden. In der Hauptsache ist Dr. Philippson der Wahrheit nicht treu geblieben. Er stellt das Verhältnis; so dar, als wenn gleichzeitig mit ihn: :mb selbstständig in den Milleitern dieselben Bedenken aufgestiegen wären, in welchem Geiste ich wohl die neuere Geschichte behandelt haben werde. Ich besitze schwarz auf weis; das Schreiben eines Mitleiters, welches das gerade Gegentheil aussagt: daß bei ihm gar keine Bedenken aufgekonunen sind, sonder!: (wörtlich) ״aus Briefen des Dr. PH. erfuhr ich zuerst, er habe in Erfahrung gebracht, daß Sie in den: letzten Bande Ihres Geschichtswerkes die religiöse Richtung, welcher die Leiter des Literatur-Vereins angehören, streng verurtheilen würden." Also Dr. PH. hat diese Bedenken erst bei den Mtleitern erregt; er hat sie ein wenig düpirt. Denn woher konnte er denn etwas über Inhalt und Form dieses Bandes in Erfahrung gebracht haben, da ich Niemanden das Manuskript habe lesen lassen? Dr. PH. fürchtete etwas, das ist klar. Indessen kann ich ihn wenigstens nach einer Seite hin beruhigen, das; ich ihn weder in den historischen Himmel, noch in die historische Hölle versetzt habe, ich spreche gar nicht von ihm, wie ich überhaupt vermieden habe, Lebenden eine geschichtliche Bedeutung zu geben. Dr. PH. muß übrigens die magische Kunst besitzen, aus weiter Ferne einen Blick in mein Bürean zu werfen. Denn er will nicht bloß mein Manuskript, sondern auch meine Correspondenz mit dem seligen Dr. Veit gelesen haben, weil er so apodiktisch weiß, daß mein erster Verleger meine Geschichte nicht habe fortsetzen wollen. Ich erkläre dies einfach für eine Unwahrheit. Ich übergehe manche Unzukömmlichkeiten, weil es mir zu kleinlich ist, dars auf zu erwiedern. Aber einer Behauptung muß ich mit aller Entschiedenheit widersprechen, als ob ich mir hätte Schwenkungen und Tergiversationeu in der Darstellung der Geschichte zu Schulden kommen lassen. Diese Beschuldigung beruht, wenn ich sie nicht als Bosheit brandmarken will, doch