Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Nachricht]
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 191 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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.Analekten und Monatsbericht. 191 In Lemberg würbe in. den letzten Wochen ein Verein ״Schomre Jrsrael" gegründet, welcher sich dieser Aufgabe widmen soll und eine Zeitschrift in hebräischen Lettern herausgiebt. Außerdem sollen Vorträge in den verschiedenen Städten die Erreichung des angestrebten Zieles befördern helfen. E i n e B e k e h r u n g s g e s ch i ch t e. Vor Kurzem machte eine mysteriöse Geschichte die Runde durch die Blätter, daß der Bruder eines chaßidäischen Rabbi oder Zaddik in der Bukowina der Taufe nahe gewesen, von den Chahidim entführt worden fest und vom Staatsanwalt befreit werden mußte. Der Vorgangs wie er gegenwärtig bekannt geworden ist, ist zwar nicht so romantisch, hat aber doch eine gewisse Tragweite. Um ihn zu würdigen, muß eine historische Beleuchtung vorausgeschickt werden. Nächst dem Stifter der chaßidäischen Gemeinde Israel Baal-Schem hat sein Jünger Beer von Meseritsch am meisten für die Vermehrung und Erstarkung derselben gewirkt. Seine Nachkommen wurden daher als die Ober- Häupter der Chaßidim angesehen, bezogen von den Einnahmen der übrigen Häuptlinge eine gewisse Tantieme und gelaugten solchergestalt zu bedeutenden Neichthümern. Man erzählt sich, daß sie bis auf den heutigen Tag ausgedehnte Ländereien, kleine Paläste und Ställe mit Paradepferden besitzen sollen. Ein Urenkel Veers, Namens Israel Ro2an, mußte wegen eines Conflikts mit der Russischen Regierung Rußland verlassen und siedelte sich in Sadogurä unweit Czemowitsch an. Dieses Städtchen wurde durch ihn zum Mittelpunkte der chassidäischen Gemeinden erhoben. Tausende wallfahrteten zu ihm, nur ihm die Huldigung darzubringen und sich von ihn: Hilfe in den Nöthen zu erbitten. Als er starb (1850) ging seine Würde auf seinen ältesten Sohn über, welcher als Hanpt-Zaddik von Sadogura angesehen wird. Der zweite Sohn dieses Israel Ro2an ist eben der Held der mysteriösen Geschichte, Namens Dauw Beer Fried mann. Auch er war Rabbi einer chaßidäischen Gemeinde in einer kleinen moldauischen Stadt La owe. Auch ihm wurde Huldigung dargebracht, auch er that Wunder, bis er vor etwa zwei Jahre!: keinen Besuch mehr empfing, die wundersüchtigen Wallfahrer abwies, auch kein Geld annahm — er ist übrigens reich — und Zurückgezogen lebte. Selbstverständlich wurde der Ex-Rabbi von seinen Conventikelgenossen beargwöhnt, belauscht, auf Schritt und Tritt beobachtet; denn das Einstellen seiner chaßidäischen Lebensweise erschien ihnen als ein Bruch mit ihren Prinzipien. Man sagt. Beer Friedmann soll sich mit der neuhebräischen Literatur, mit kritischen Forschungen beschäftigt und sogar