Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 2)
- Language
- German
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190 Analekten unb Monatsbericht. Der sehr energische und fanatische Ton, in welchem früher fünfzehntausend spanische Damen in einem Schreiben an Serrano gegen die Durchsührung der proclamirten Religionsfreiheit protestirten, hat keinen Eindruck gemacht. In diesen Tagen ist die Erlaubnis zur Erbauung einer Synagoge von der provisorischen Negierung bereitwilligst ertheilt worden. Doch die schönen Tage von Aranjuez sind vorüber. Die Juden brauchen nicht mehr das schöne Spanien, ehe noch brauchte Spanien jüdische Intelligenz, Industrie und Rührigkeit, um die Wüsteneien wieder in lachende Gefilde zu verwandeln. Die Idee, dem Judenthum in dem Lande der Scheiterhaufen wieder Eingang zu verschaffen, hat übrigens ein sehr rühriges Organ in Herrn Guedalla in London gefunden. Ohne die Bestätigung der Cultus frei heit durch die Cortes abzuwarten, unternimmt dieser würdige Mann, der sich mit seinem Gegenstände identificirt hat, den Bau einer Synagoge in Madrid. Sobald sie fertig ist, gedenkt er selbst, wie er in einem Briefe an den Redakteur des Jewish Chronicle berichtet, nach der spanischen Hauptstadt zu gehen, um der Einweihung derselben beizuwohnen. An: 3t. Februar hat er ein 86p1161׳-H101׳u per Dampfer dahin abgehen lassen. Herr Guedalla will keineswegs die Juden ermuthigen, sich in Spanien anzusiedeln; aber er will denen, welche sich in Madrid niederlassen, ein Bethaus, einen 861106116t und einen Begräbnißplatz anbieten. Er vereinigt den- Enthusiasmus des Juden mit der praktischen Geschästsgewandtheit des Engländers. Die Unfertigkeit, welche den Verhältnissen des neuorganisirten osterreichischen Staates noch immer anhaftet, findet wohl ihr treuestes Spiegelbild in der verschiedenartigen Behandlung, welche den Juden in den einzelnen Kronländern wiederfährt. In Galizien z. B. boten die Polen bisher Alles auf, um die Juden zu sich herüberzuziehen, was ihnen jedoch nicht in gewünschter Weise gelang, da ein Theil der Juden für die deutsche Bevölkerung lebhafte Sympathien hegt. Die Wortführer der polnischen Partei verstiegen sich sogar jüngst zu der Drohung, das; die Gleichberechtigung der galizischen Juden von ihrer Betheiligung an den national-polnischen Bestrebungen abhängig gemacht werden würde. Erfreulich sind jedenfalls die Bemühungen, welchen sich der intelligente Theil der galizischen Juden unterzieht, um ihre zurückgebliebenen Glaubensgenossen zu wecken und sie für die Bestrebungen des modernen Staatslebeus zu interessiren.