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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 3 · p. Seite 142

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 3
Article
Analekten.
Date
1869-01-01
Page
Seite 142 (sequence 2)
Language
German
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142 Analekten. bergen, wurden bis vor Kurzem so sorgsam dem Forscherauge entzogen, als schwebte noch der Geist Philippus II. und der Großinquisitoren über denselben und schreckte mit gespenstischen Augen vor Enthüllung der blutigen Geheimnisse zurück. Herrn G. Bergenroth (dessen bedauerlichen Tod in Madrid die Zeitungen eben anzeigen) ist es zum ersten Male gelungen, Einsicht von diesen Archiven zu nehmen, und er giebt Rechenschaft über die Original-Documente, welche die mit kaltem Blute begangenen scheußlichen Unthaten an der Prinzessin oder Königin Johanna von Seiten ihres Vaters Ferdinand, ihrer Mutter Jsabella und ihres Sohnes Karl V. zum Inhalte haben. Diese Königstochter und Kaisernmtter, die einzig berechtigte Erbin von Castilien und Aragonien, galt bisher in der Geschichtsdarstellung als eine Wahnsinnige, die über den Verlust ihres Gatten, des habsburgischen Philipp, den Verstand verloren habe und in Gewahrsam habe gehalten werden müssen. Die von Bergenroth entdeckten Urkunden machen es aber sonnenklar, daß ihre Eltern und ihr Sohn sie als wahnsinnig ausgegeben und sie den empörendsten Mißhandlungen unterworfen haben. Von Ferdinand, der auch Meuchelmord gegen Personen anwendete, die ihm im Wege waren, und der auch seinen Schwiegersohn, eben diesen Philipp, vergiften ließ, (wie das von Bergenroth angestellte Todengericht ergiebt), überrascht diese Thatsache nicht. Der fanatische Katholicismus und die Poliktik hatten in seiner Brust jede menschliche Regung getödtet. Aber auch die zärtliche Mutter hat an ihrer einzigen Tochter, ihrer einzigen am Leben gebliebenen Leibesfrucht die prsinia oder die eusräa. angewendet, d. h. sie ließ sie folteren, an einem Strick, der an den Armen befestigt war, aufhängen, während Gewichte an ihre Füße befestigt waren, welche die Gliedermaßen aus den Gelenken rissen. Warum das? Weil Johanna der Jncli- Nation zur Ketzerei beschuldigt wurde, weil sie bei dem Anblick der jüdischen Marranen, welche zum Scheiterhaufen gezerrt wurden, enrpört war. Deswegen sollte sie von der Thronfolge ausgeschlossen werden, und um diese Verletzung der Legitilnität zu beschönigen, wurde sie als wahnsinnig erklärt und mit empörender Brutalität behandelt. Das thaten die Eltern an ihrer eigenen Tochter. Was mögen nun erst die jüdischen Marranen und die Moriscos von diesen Unmenschen, welche die christliche Liebe stets im Munde geführt haben, erduldet haben? Der Pabst Hadrian, der in der Geschichte als gutmüthig und sanft geschildert wird, wußte von diesen Unmenschlichkeiten an einem schwachen Weibe, billigte und beförderte sie. Johannas eigner Sohn, Karl Y.f König von Spanien und Kaiser von Deutschland,

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