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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 2 · p. Seite 94

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 2
Article
Analekten und Monatsbericht.
Date
1869-01-01
Page
Seite 94 (sequence 1)
Language
German
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94 Analekten und Monatsbericht. Ällateklen und MonatsKerichl. Die religiöse Wellenkreiselung auf dem unbeständigsten Wasserspiegel, den man Frankreich nennt, nimmt von Tage zu Tage mehr zu, und das politische Mißbehagen wirkt dabei mit. Eine neue Bewegung indicirt die jüngst erschienene Schrift von Hippolyte Rodrigues: Die Gerechtigkeit Gottes, Einleitung zur Geschichte der Judenchristen, ein Retrospectiv eigenthümlicher Art. Dieses zugleich historische und dogmatische Retrospectiv stellt einander gegenüber die Gerechtigkeit Gottes mit seinen Consequenzen, wie sie das Judenthum lehrt, und die Erbsünde in ihrer folgerichtigen Entwickelung, wie sie das Christenthum oder richtiger der Paulinismus als nothweüdig zum Heile aufnöthigt. Die Idee der Gerechtigkeit Gottes trägt in ihrem Schoße die Freiheit und die Versittlichungsfähigkeit des Menschen. Die Paulinische Theorie vom Sündenfall dagegen macht den Menschen gebunden und überliefert ihn -der Willkür der Erlösung durch den Opfertod. ״Die Geschichte existirt lediglich in den Ideen. Die Chronologie, die Data, die Facta bilden nur das Skelett der. Geschichte, die Substanz wird von den Ideen bereitet. Gleich der 'Circulation des Blutes belebt, färbt, verleidenschaftlicht die Cirkulation der Ideen die Begebenheiten, entschleiert ihre Physiognomie und läßt über sie eine unerwartete Beleuchtung streifen...... Auf Paulus und seine Sündenfüll- und ErkösuNgstheorie folgten die Gnostiker, arss die Gnostiker der Johanneismüs, auf diesen die Mystiker und auf die Mystik die Inquisition. Und nach der Inquisition, welche im Menschen jede Sprungkraft lähmte und alle Begriffe verwirrte, herrscht nicht mehr die Liebe Gottes, sondern die Furcht vor dem Teufel. Alle Ideale liegen zertrümmert und mächtige Gefühle verschwinden wie in Spanien.... Luther hat zwar das Bibelwvrt von der Kette der mystischen Tradition erlöst, aber er hat das Gewissen durch das Anknüpfen an die paulmische Theorie wieder gebunden." Der berühmte französische Kanzelredner Pater Hy a eint he hat in der Kirche Notre-Dame eine Lobrede auf das Judenthum gehalten, wie man sie Ln den Orgelsynagogen schwerlich zu hören bekommt. Der Gaulo is giebt nur einen gedrängten Auszug aus dieser katholischen Predigt,

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