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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1868-01-01 · Heft 9 · p. Seite 322

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
17 (1868)
Issue
Heft 9
Article
Drei Controversisten
Date
1868-01-01
Page
Seite 322 (sequence 2)
Language
German
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322 Drei Contröversisten. befähigt waren, den zudringlichen Dienern der Kirche Gegenpart zu halten: wissenschaftlich gebildete Rabbiner, Aerzte und Philosophen sch rachen vor einem Colloquium mit einem Priester nicht zurück. Die Disputationen haben übrigens um diese Zeit einen von den früheren Jahrhunderten verschiedenen Charakter angenommen; sie wurden nicht mehr mit solchem Eifer geführt als zu einer Zeit, wo nach einer einzigen, den Vertretern des Judenthums scheinbar bei gebrachten Niederlage eine Massen taufe ins Werk gesetzt wurde; das Feuer war verraucht, die Waffen waren abgenutzt, die Masse hatte an derartigen Wortgefuchten das Interesse verloren. Oeffentliche Disputationen wurden nicht mehr veranstaltet; es waren nur noch einzelne fromme Mönche, welche mit einzelnen Juden in theologicis zu machen für ein got(gefälliges Werk hielten, oder es fiel einem geistlich angehauchten Fürsten ein, sich von einem gelehrten Juden eine Standrede halten zu lassen und sich an den Einwendungen zu vergnügen, welche von seinem Beichtvater zur Vertheidigung der Dreieinigkeit und Menschwerdung gemacht wurden. Aehnlieh dem Grauen, das die Juden in früheren Jahrhunderten erfasste, wenn von einer theologischen Disputation verlautete, war im 17. Jahrhundert die Freude, so es galt für das Judenthum eine Lanze zu brechen: Die Juden waren nicht mehr von vorn herein der unterliegende Theil; Italien war das Land, wo es ihnen gestattet wurde, mit den geistlichen Kampfhähnen ein freies Wort zu wechseln und ihre Ansichten über Christenthum und Judenthum offen und rückhaltlos darzulegen. Sonder Scheu und mit der vollen Kraft der Ueberzeugung traten hier Männer wie Abo ab, Luzzatto, Cardoso und viele Andere für ihren Glauben ein; ihnen schliessen sich der minder bekannte Danielo aus Livorno und der fast ebenso unbekannte Proselyt Carrasco, ganz besonders der Leibarzt Elias Montalto als Controversisten an. Die drei Genannten, welche uns hier beschäftigen sollen, verschieden an Beruf und Lebensgang, entfalteten ihre apologetische Thätigkeit zu Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts grösstentheils in Italien, und zwar

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