Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Bukarest [Nachricht]
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Monatschronik; 159 Jude darf Victualien und Getränke an einen Nichtjuden verkaufen. — Die bisher in Städten und Dörfern bestehenden jüd. Gemeinden werden aufgelöst. — Alle bisher zu Gunsten der Juden erlassenen Gesetze sind als aufgehoben zu betrachten. Herr von Bismark liess dem Fürsten von Rumänien dringend von der Sanctionirung dieses Gesetzes abrathen, und auch das Wiener Cabinet liess energisch dagegen protestiren. Bratiano, auf dessen Veranlassung, wie der Correspondent der hebr. Zeitschrift ״Hamagid“ mittheilt, dieser Gesetzentwurf überreicht wurde, beeilte sich mit der entgegenkommenden Versicherung, die Regierung werde nicht den •Entwurf genehmigen. Auch wurde das Gesetz von der Kammer selbst, hinter der Bratiano steht, verworfen. Ein sprechendes Zeichen für die Reife des Volkes und seiner Vertreter ist, der Präsident der Kammer befand sich unter den Unterzeichnern des Gesetzentwurfes. Wie mag nun der Herrscher an der Seine über den von ihm hingCworfenen Feuerbrand ״Nationalität“ urtheilen! Und welche Früchte der ״Constitution“ bei diesem Volke, das solche Vertreter in die Kammer schickt 1 Zu derselben Zeit wurde bekannt, dass im Bezirke Bakeu Judenverfolgungen stattgefunden. Die Regierung verlegte sich, ganz eines Bratiano würdig, auf's Leugnen: aber die Consule fast sämmtlicher Mächte Europa's, der englische, österreichische, französische, russische, griechische u. 8. w., bestätigten in einer zu Jassy den 15. April aufgenommenen Protokoll, dass Juden- Verfolgungen stattgefunden. Abermaliges energisches Einschreiten der Mächte. Sir Francis Goldsmid brachte in diesen Tagen im englischen Unterhause diese Angelegenheit zur Sprache und wies nach, um wie viel diese christliche Herrschaft der früheren mahomedanischen nachstehe. Lord Stanley erwiderte, dass ihm sowohl das Leid der Juden wie die Schmach, die durch solche Vorgänge auf die Christen falle, sehr nahe gehe und fügte hinzu, dass er eine energische Note an die rumänische Regierung erlassen, der er allein die Schuld zuschreibe: der Fürst Karl, so sei er überzeugt, stehe diesen Vorgängen fern. — Diese Ueberzeugung wird auch allgemein getheilt, nur klagt inan von mancher Seite den Flirten der Schwäche an: er muss die Bratiano, Golesco und Gesellen entlassen und darf vor den Folgen der Umtriebe dieser Elizun nicht bangen.