Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Alliance Univers. Israélite und die Juden Rumäniens
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 2)
- Language
- German
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122 Die Alliance Univers. Israelite Gedanke fand Anklang, es traten treffliche Männer jeder Confession za einen! solchen Vereine zusammen, denn er galt dem Menschen, nicht der Confession, er galt wegen ihres Glaubens Verfolgten und Beeinträchtigten, es galt dem blutigen Fanatismus seine Opfer zu entreissen und es galt nicht minder niedrigen Leidenschaften entgegenzutreten, die gern den Glauben zum Deckmantel ihrer im Finstern schleichenden Pläne nehmen. — Der Verein nahm, da er für die Juden auch in den entferntesten Gegenden wirken will, die Benennung Alliance Universelle Israelite an, und er hat durch seine nach zwei Richtungen hin sich entfaltende Thätigkeit, Eintreten für das Recht, Errichtung von Schulen, sich bereits viele Anerkennung erworben־, es haben sich in den verschiedensten Ländern Zweigvereine gebildet und der Verein zählte beim Ablaufe des vergangenen Jahres 6826 Mitglieder. Es ist eine merkwürdige Erscheinung, dass die Judenhetzen in Europa dem Laufe grosser Ströme folgen. Was weiss nicht der alte Vater Rhein zu erzählen, wie oft färbten sich seine Fluten mit dem Blute der Juden und welches Wehklagen vernahm er von seinen Ufern herüber! Das Unrecht ist zum grossen Theil gesühnt, andere Geschlechter von anderen Gesinnungen beseelt bewohnen die von ihm durch rauschten Städte und Länder, und er wird nicht mehr in seinem Laufe von dem Jammergeschrei wegen ihres Glaubens Verfolgter gestört. Auch die Donau war häufig trauriger Zeuge blutiger Verfolgungen und sie blickt mit stillem Senfzen auf den Rhein, der in der Gegenwart nicht sein Auge den Vorgängen an seinen Ufern zu verschliessen braucht; noch sind die Gestade der Donau in ihrem untern Laufe so ungastlich wie ehedem und es hausen noch heute daselbst Bosheit und Barbarei, sie vernimmt zwar das moderne Geklingel ״Constitution, Selbstbestimmungsrecht“, aber diese Rufe sind um so widerlieber, als sich durch sie die barbarische Gesinnung gesteigert und das moderne Gewand eine selbst von der früheren Zeit nicht gekannte Mord- und Raubgier verbirgt.