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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1868-01-01 · Heft 3 · p. Seite 82

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
17 (1868)
Issue
Heft 3
Article
Mendelssohn-Skizzen
Date
1868-01-01
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
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82 Mendel ss ob n - Sk i zzen. das Schweigen brach. ״Mir kömmt das Niederhauen eines grossen schönen Baumes beinah wie ein Mord vor“, hob die Dame an, ״ein so wichtiges Product der Natur scheint mir ein Baum zu sein.“ Das führte Mendelssohn auf die Idee der Alten, auf die Bibel; er war nicht damit zufrieden, dass der Dichter für die Erhaltung des Baumes ausser der Innern Belohnung, gut gehandelt zu haben, noch äusseren Wohlstand gibt, das hiesse, meinte er, die Tugend zu einer feilen Dirne machen. Sophie Becker, so hiess die Dame, war ein höchst origineller Charakter. Sie befand sich gerade damals in der Periode des Zweifelns und erschloss Mendelssohn ihr ganzes Herz, er wurde ihr ״theuerster Freund“ sie ihm seine ״theu erste Sophie“. Ihre Seele war von so mancherlei dunklen Vorstellungen und durch diese von so verschiedenen Gefühlen bewegt, dass sie sich irgendwo ergiessen musste Mendelssohn war der Erste, wie sie in dem Briefe vom 24. December 1785 gesteht, von dem sie glaubte, er würde sie verstehen, oder da, wo sie sich selbst nicht versteht, Licht hin halten können. In Betrachtungen über Menschenschicksal versunken, fühlte sie in ihrem Herzen eine Leere, sie konnte den Gedanken Gott nicht mehr fassen, sie konnte nicht mehr beten, hatte keinen Sinn mehr für den öffentlichen Gottesdienst ״So sieht es in meiner Seele aus, theuerster Freund, nur Ihnen lege ich sie offen dar“, heisst es in dem erwähnten Briefe . ״Rathen sie mir, auf welche Art ich es anfange, meinem Herzen den Gott näher zu bringen, den mein Verstand im Sandkorn.wie in der Sonne anbetet“1). Mit dieser liebenswürdigen Curländischen Freundin der Skepsis, der die Unterhaltung mit Mendelssohn Balsam war und sie zur reiferen Prüfung stimmte, mit dieser ״theuersten Sophie“, welche den letzten köstlichen Brief, den das Herz des Philosophen dictirte, als ein Zeugniss inniger Freundschaft bewahrte, durch 8 tri eben die beiden Gäste der Herzogin den Hofgarten, bis sie selbst erschien. *) Mosks Müudelssohn’ft ges. Sehr. V, 64G

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