Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Emanuel Osmund und Jean Paul
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 4)
- Language
- German
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44 Emarmel Osmund und Jean Paul. Bescheidenheit ab; ״Mandel ist der Mensch nicht, der mit einem Richter über philosophische Gegenstände disputiren kann und mag. Ich muss mir schon bei diesem Brief- Wechsel Se. Majestät den ersten König in Israel in’s Gedächtniss rufen, der auch nicht wusste, wie er unter die Propheten kam, und ein altes Sprtichwort sagt: Zu viel Ehre ist auch eine Schandeal). Mit desto grösserer Bereitwilligkeit suchte Emanuel, in der rabbinischen Literatur nicht unbewandert, ihm wie früher seinem älteren Freunde, dem Hofrath Schäfer, auf, was er in seinen jüdischen Schriften für den christlichen Gaumen schmackhaft erachtete* 2), und hat dadurch in gewissem Sinne läuternd auf den deutschen Classiker gewirkt. Jean Paal war nämlich zu Anfang der Bekanntschaft mit Emanuel nicht frei von Vorurtheilen gegen die Juden; hielt er doch die Seele seines jüdischen Freundes, dieses ,,echt biblischen Jonathans“, ״den er als einen moralischen Gott verehrte“, wie er sich später äussert, ״für einen Juden zu edel!“3) Er kannte, wie die Meisten seiner Zeit, weder die Juden, noch das Judenthum. ״Ich wünschte“, schreibt er am 3. April 1795 an Emanuel, ״Sie theilten mir statt einzelner Samenperlen Ihrer Rabbinen eine ganze Halsschnur in Druckpapier eingewickelt zu. Leider habe ich mehr über die Juden als von den Juden gelesen; von der Mischna könnte ich den 1. Theil in Raabe’s Uebersetzung bekommen; ich weiss nicht, ob er die Gemara übersetzt hat: sonst bät’ ich Sie darum, wenn Sie sie anders einem Lutheraner leihen dürfen, besonders über die Seelen- Wanderung und Unsterblichkeit möchte ich Rabbinen hören. Ihre Lehrer haben zwei Seelen, eine philosophische, moralische, deren Sinnenblicke uns Moses Mendelssohn, Herder und andere sehen lassen, und eine unbegreiflich enge, eine Adensute, die mit der Nabelschnur in die 9 Denkwürdigkeiten, I, 6. 2) I, 13. 3) J. Paul an eine Jugendfreundin 17, Briefwechsel J. Paul’s mit Otto, II, 292, III, 256.