Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Berlin [Nachricht]
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 477 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Monatschronik. 477 Monatsclironik. Berlin. Die erste Session des Reichstages des norddeutsehen Bundes hat durch die Annahme des Freizügigkeitsgesetzes mit einem Schlage eine ganze Menge veralteter Bestimmungen aufgehoben, welche bisher in verschiedenen kleinen Staaten Deutschlands den Juden das Recht der Niederlassung theils entzogen, theils verkümmert haben. Durch das am 21. October zur Annahme gelangte, bis jetzt freilich vom. Bundesrathe noch nicht bestätigte, erwähnte Gesetz ist es nunmehr allen Angehörigen Norddeutschlands ohne Unterschied des Glaubensbekennt־ :aisses gestattet, sich beliebig an jedem Orte des zum Bunde gehörigen Gebietes niederzulassen. — Am 28. October erstattete die Petitionscommission Bericht über die Petition der im Grossherzogthum Mecklenburg wohnenden Juden um Aufhebung der schwer auf ihnen lastenden Beschränkungen; ohne Discussion wurde der Antrag der Commission, — die Petition dem Bundeskanzler mit dem Ersuchen zu überweisen, geeignete Schritte zur Erlangung der Rechtsgleichheit für die Juden Mecklenburgs mit den übrigen Einwohnern thun zu wollen — mit grosser Majorität angenommen. Dagegen stimmten nur die bekannten Verfechter der Idee vom christlichen Staate, Wagner, Blanckenburg und einige gleichgesinnte Genossen, unter denen besonders der Kriegsminister von Roon zu erwähnen ist. Berlin. Das gegenwärtige preussische Abgeordnetenhaus zählt fünf Mitglieder jüdischen Glaubens : Dr. Johann Jacoby für den zweiten Berliner Wahlkreis, Dr. Kasch für Königsberg, Commerzienrath Reichenheim für Waldenburg in Schlesien, Assessor Lasker für Magdeburg und Moritz Warburg für Altona. Die vier Erstgenannten gehörten auch dem aufgelösten Abgeordnetenhause an. Pesth. Der Ministerpräsident Graf Andrassy hat dem ungarischen Landtage folgenden Gesetzentwurf bezüglich der Israe- Uten vorgelegt: § 1. Die israelitischen Bewohner des Landes werden zur Ausübung aller bürgerlichen und politischen Rechte mit den christlichen Bewohnern für gleichmässig befähigt erklärt.