Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Gedächtnisrede J. Mohl's auf S. Munk
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 453 (sequence 1)
- Language
- German
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Gediichtnissrede J. Mohl’s auf 8. Munk. 453 Gedächtnissrede J. Mohl’s auf 8. Munk.*) Herr J. Mohl, früherer Secretär der ״Asiatischen Ge- Seilschaft“ (Societd Asiatique) zu Paris, stattete in der Sitzung vom 27. Juni 1867 den Jahresbericht'ab. Er erwähnt im Eingänge den Verlust, den die Gesellschaft durch den Hintritt mehrerer ihrer Mitglieder erlitten, und nachdem er Reiriaud und Desvergers namhaft gemacht, fahrt er fort: ״Hie Gesellschaft hat ferner in einem ihrer andern Mitglieder, Salomon Munk, einen der grössten und empfindlichsten Verluste erlitten. Munk war im J. 1803 zu Glogau in Schlesien geboren und war der Sohn eines armen Synagogendieners. Bis zu seinem fünfzehnten Jahre wurde er in der Rabbinerschule seiner Vaterstadt erzogen und eignete sich, dem Zwecke dieser Schule gemäss, die genaue und eingehende Kenntniss der Bibel, der hebräischen Sprache und des Talmuds an. Er fasste hierauf einen grossen Entschluss, ging zu Fusse nach Berlin und trat _ ohne eine andere Hiilfsquelle als seinen Willen und jenen bewundernswerthen Geist der Selbstverleugnung und der Massigkeit, welchen die israelitische Jugend so oft zeigt, in ein Gymnasium ein. Hier machte er seine klassischen Studien und erwarb seinen Lebensunterhalt durch Unterricht im Hebräischen, und ging hierauf zu den Universitätsstudien über, die er zuerst in Berlin, später in Bonn betrieb: der glänzende Ruf von Männern, wie Hiebuhr, Schlegel, Lassen, Freytag, hatte ihn nach Bonn gezogen. Durch die religiöse Unduldsamkeit der preussischen Regierung sah er sich nach zehn Jahren des angestrengtesten Studiu ms und in einem Alter von fünfundzwanzig Jahren jeder Hoffnung beraubt, in seinem Vaterlande eine öffentliche ') Aus dem Journal Asiatique. Juillet 1867.