Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Authentische Actenstücke über die gegenwärtige Lage der Juden in Serbien
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 443 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2829132-2829346-2829359-2863282--10956-2863304- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
der Juden in Serbien, 443 gegenwärtigen Zustande der Gesellschaft nur schwer verlangt werden kann; die Israeliten können alle erdenklichen Ansprüche machen, mit zur Nation gezählt zu werden, ein bestimmter Punkt, nämlich der, dass die Serbei! sie immer als Fremde betrachtet haben und aller Wahrscheinlichkeit nach noch lange als solche betrachten werden, macht alle diese Ansprüche zu Schanden, und der Geist der Intoleranz, von welchem sie gegen die Juden beseelt sind, hat nicht wenig Aehnlichkeit mit dem Geiste der Unduldsamkeit, den das auserwählte Volk selbst in den ersten Zeiten seiner Geschichte bekundet hat3). Aber wenngleich die Serben keine besondere Zuneigung für die Israeliten an den Tag legen und es nicht über sich gewinnen können, sie als Ihresgleichen zu betrachten, so glaube ich doch nicht, dass der Fanatismus und der Eifer der Geistlichkeit die Bauern im Innern des Landes (die Selliacs, wie sie genannt werden) so verblendet hat, dass sie gänzlich unempfindlich geworden seien für die Vortheile des Kleinhandels, welchem sich die Israeliten im Innern Serbiens früher gewidmet haben. Die Opposition, die ihnen gemacht wird und die Hemmnisse, die man ihnen bereitet, haben ihren Grund in der Rivalität der serbischen Kaufleute von Belgrad und anderen kleinen Städten, die, wie Herr Ricketts vollkommen richtig in einer seiner Depeschen auseinandergesetzt hat, mit der subalternen Bureaukratie von Belgrad eng verknüpft ist. Doch bevor ich auf andere Details übergehe und mich darüber auslasse, was in der Vergangenheit für die Israeliten geschehen ist und in Zukunft für sie geschehen kann, 3) Pie letzte Bemerkung des Herrn Generalconsuls ist uns völlig unverständlich, denn selbst angenommen — aber keineswegs zugegeben — das ״auserwählte V01k" habe sich im grauen Alterthume von dem Geiste der Intoleranz leiten lassen, ist dadurch die Thalsache zu entschuldigen, dass in unserem aufgeklärten Jahrhundert friedliche, arbeitsame Bürger um ihres Glaubens willen fortwährend in ihren heiligsten Rechten gekränkt werden? V. 34'