Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Authentische Actenstücke über die gegenwärtige Lage der Juden in Serbien
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 408 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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408 Authentische Actenstücke über d. gegenwärtige Lage dieselbe in die Spalten des Journals einrückeu zu lassen. Aber, ach, diese Erlaubniss ist uns verweigert worden. Sie ersehen hieraus, Herr Präsident, dass man, während die heftigsten Artikel gegen uns ungehindert veröffentlicht werden dürfen, uns nicht gestattet, uns vor dem Publikum zu vertlieidigen, das den [Auslassungen jenes Journals vollen Glauben schenkt und uns in Folge dessen fortwährend mit allen möglichen Unbilden überhäuft. Seit dem Erscheinen dieses Artikels im ״Svelovide־‘ denkt Niemand mehr an die Möglichkeit, uns in den Vollgenuss der Bürgerrechte zu setzen; wir selbst denken nicht mehr daran, wir denken nur noch an die Erhaltung unseres Lebens, das von Tage zu Tage mehr bedroht wird. Wir haben Ihnen bereits das beklagenswerthe Ereigniss angezeigt, das uns getroffen, ich meine den Tod unseres Glaubensbruders Jacob Alcalay, der in Chalatz ermordet worden ist. Wir Hessen seinen Leichnam nach Belgrad bringen, um ihn der Untersuchung einer ärztlichen Commission zu übergeben; die stattgefundene Untersuchung ergab, dass er erdrosselt worden ist und dass man ihm nach seinem Tode Schwefelsäure in den Mund gegossen hat, um dadurch die Annahme eines Selbstmordes wahrscheinlich zu machen. Diese List wurde bei der Oeffnung des Magens entdeckt, denn es wurde constatirt, dass sich im Magen nicht eine Spur von Gift vorfand. — Nach der Besichtigung, die in Gegenwart eines Polizeicommissars des Ortes statt hatte, begruben wir die Reste des ungliickliehen Opfers des serbischen Journals mit Ausnahme der Zunge und des Magens, die auf dem Polizeibureau aufbewahrt werden. Was die von der Regierung in Folge dieser That ergriffenen Maassregeln betrifft, so sind wir nicht in der Lage, sie zu Ihrer Kenntniss zu bringen. Wir standen noch unter dem Schlage dieses schmerzliehen Ereignisses, als die Kunde von einem neuen Unglücke zu uns drang. Einer unserer Glaubensgenossen, ein sehr ehrenwerther Mann, Vater von sechs Kindern, Salomon Albinon, war so unglücklich, auf einer Reise von Bosnien nach Serbien seinen Weg über Chalatz zu nehmen; kaum hatte er die Stadt verlassen, so wurde er