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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1867-01-01 · Heft 10 · p. Seite 370

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
16 (1867)
Issue
Heft 10
Article
Authentische Actenstücke über die gegenwärtige Lage der Juden in Serbien
Date
1867-01-01
Page
Seite 370 (sequence 10)
Language
German
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370 Authentische Actenstücke über d. gegenwärtige Lage düng, und die Juden genossen damals dieselben Rechte wie die anderen Einwohner. Leider ist das vom Fürsten Milosch gegebene Beispiel in jüngster Zeit nicht befolgt worden. Im Frühlinge des letzten Jahres haben wir von Maassregeln sprechen hören, die erlassen worden sind, um die Juden aus dem Innern des Landes zu vertreiben und sie zu zwingen, sich in Belgrad niederzulassen, und diese Maassregeln sind auch theilweise durchgeführt worden. Und welcher Verbrechen, könnte man fragen, haben sich die .Juden schuldig gemacht, um eine solche Behandlung zu verdienen? sind sie doch mit Ausnahme der Militairpflicht denselben Lasten unterworfen, und gehorchen sie doch denselben Gesetzen wie die Serben? Ich habe diese Frage an viele Leute gerichtet, und Alle kommen darin überein, dass der Jude in diesem Lande wie fast in allen andern Ländern ein friedfertiges, thätiges Glied der Gesellschaft ist. Er leiht Geld aus, das ist wahr, aber zu dem im Lande üblichen Zinsfusse, der freilich wegen des Metallmangels und wegen der Schwierigkeit, das Geld sicher unterzubringen, sehr hoch ist. Auch liefert er dem Landmann im Innern des Landes die Waaren, die derselbe bedarf. Die Wohlhabenheit, welche die Juden diesem Handel verdanken, wird von den serbischen Handeltreibenden mit neidischen Blicken angesehen, und viele von ihnen, die nicht gerade durch besondere Nächstenliebe sich auszeichnen, würden nur zu glücklich sein, wenn man die armen Juden aus dem Lande jagte. Wenngleich nun diese Wünsche — soweit ich darüber urtheilen kann — sich keineswegs mit den Anschauungen des Fürsten in Uebereinstimmung befinden, so werden sie doch von vielen Regierungsbeamten und Senatsmitgliedern, die mehr oder minder mit den Handeltreibenden in Berührung stehen, vollkommen getheilt. Diese letzteren üben einen Druck auf die Regierung, die es nicht wagen will oder auch nicht wagen kann, ihre Popularität einzubüssen, dadurch dass sie den Wünschen dieser Herren zuwiderhandelt. So kommt es, dass die Juden ohne Beschützer sind. Wie die Israeliten daran denken können, von einem solchen

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