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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1867-01-01 · Heft 10 · p. Seite 366

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
16 (1867)
Issue
Heft 10
Article
Authentische Actenstücke über die gegenwärtige Lage der Juden in Serbien
Date
1867-01-01
Page
Seite 366 (sequence 6)
Language
German
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366 Authentische Actenstücke über d. gegenwärtige Lage In meinem Berichte vom 13. April 1861 kündigte ich Ihnen an, dass ein Decret erlassen worden sei, welches die Vertreibung von sechzig jüdischen Familien aus allen Städten des Innern anordnet. Diese Maassregel ist ebenso grausam als ungerecht, denn sie trifft zumeist arme unschädliche Leute, Handeltreibende, Colporteurs und kleine Kaufleute. Der Fürst Milosch hatte ihnen die Befugniss eingeräumt, ihr Gewerbe auszuüben, aber sein Sohn, der Fürst Michael, hat es ihnen wieder entzogen. Schon vor dem Empfang Ihrer Depesche vom 6. September hatte ich wegen dieser Angelegenheit dem Fürsten Michael ernste Vorstellungen gemacht, und derselbe hat mir auch versprochen, sein Mögliches zu fchun, um den Senat zu einer Modification, wenn nicht zur Zurücknahme dieses unheilvollen Beschlusses zu bewegen. Seine Hoheit erkannte an, dass die gegen die Juden ergriffenen Maassregeln der Regierung in der öffentlichen Meinung schaden könnten; aber, sagte er, die allgemeine Stimmung ist ihnen in so hohem Grade feindselig, dies hat sich mit einer solchen Einmüthigkeit in der Vers am mlung von Kragieovatz kundgethan, wo von allen Augelegenheiten nur die Judenfrage allein ein ernstes Interesse hervorrief, dass man es nicht für rathsam gehalten, dieser allgemeinen Stimmung zuwider zu handeln. Er sagte mir ferner, dass, wenn die Juden verfolgt würden, der Grund nur darin läge, dass sie den serbischen Kaufleuten Con״ currenz machten, dass sie zu billigeren Preisen verkauften und ihr Geld zu einem minder hohen Zinsfusse ausliehen als diese. Hierzu kommt noch, dass unter dem Volke, wie ich in der an Sie gerichteten Depesche bereits erwähnt habe, die Meinung verbreitet ist, die Juden seien die geheimen Agenten der Türken, sie seien für diese ganz besonders eingenommen und gäben der Pforte Aufschlüsse über die insurrectionelle Bewegung, die im Innern gegen sie organisirt werde. Was die Sympathie der Juden für die Pforte betrifft, so ist sie ganz natürlich und erklärt sich aus dem relativ hohen Grade von Freiheit, der ihnen von jeher von den

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