Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 12
- Article
- [Rezension] / -t-
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 473 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Recensionen und Anzeigen. 475 dieses Werkes liineinleben und hineindenken und dasselbe nur aus ihm selbst beurtheilen und erklären wollen. Die falschen Beurteilungen, welche der Talmud so oft erfahren hat, und die hieraus entsprungenen Gehässigkeiten gegen das Judentum haben ihre Quelle zumeist in der!Unkenntnis8 des Talmud und der meist erst aus zweiter Hand erlangten Bekanntschaft mit demselben. So verdienstlich und anerkennenswerth auch die Ergebnisse der modernen jüdischen Wissenschaft auf dem Gebiete des Talmud sind, so haben dieselben doch nur die Erkenntiss der Resultate oder der sich in dem Talmud zufällig findenden allgemeinen wissenschaftlichen Bemerkungen im Auge. Wer daher die Methode und den eigentümlichen Gedankenprocess des Talmud erkennen will, muss noch heute denselben Weg zurücklegen, den man Jahrhunderte vor uns einseitig, um diesen Zweck zu erreichen. Wer sich das Studium auf irgend eine Weise zu erleichtern glaubt, begeht eine arge Selbsttäuscliung, die sich schnell genug herausstellt. Gehen wir nun auf das von uns angezeigte Buch selbst über, so müssen wir gestehen, dass wir aus den oben entwickelten Gründen das Verfahren des Verfassers, das Material der Mischna in katcchetischer Form zu bearbeiten, durchaus missbilligen müssen und hiervon keine Förderung der theologischen Studien erwarten. Der Anfänger muss sich durch ein solches inechanl- 8che8 Erlernen eines ihm ganz fremden Stoffes abgestossen füh- Jen, und, wer die Quellen selbst schon kennt, hat meist schon eine solche Selbstständigkeit erlangt, dass eine so schülerhafte Beschäftigung ihm nicht zugetraut werden kann. Uebrigens muss Referent anerkennen, dass der Verfasser manche seiner Fra- , gen ganz treffend zu pointiren verstanden hat, wahrend hingegen andere auf Nichts als eine Stellenangabe liinauslauien. Die Ant- Worten sind auch meist so hingestellt, dass ohne Nachschlagen der Quelle kein Verständniss zu erreichen ist, was unserer Mei- 1 nung nach hei einem solchen Buche nicht, hätte der Fall sein dürfen. —t — Frankel, Monatsschrift. XV. 12. 36