Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient un der Nordküste Africa's während der letztvergangenen Decennien
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 362 (sequence 2)
- Language
- German
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?62 Rückblick aaf Zustände und Ereignisse der.Ji1den_ ’ ׳׳ m.einden, die ihn an ihre Spitze berufen hatten, sich seiner nach kurzer Zeit wieder zu entledigen. Und so kam es, dass er im-Elend seine Tage in Jaffa beschloss, als er nach einer zwanzigjährigen Irrfahrt den heimatlichen Roden wieder betreten hatte. In seiner Begleitung besuchte ich die öffentliche jüdisehe Schule zu Corfa, und hörte dort ziemlich geläufig Mischnah und Talmud in neugriechischer Sprache vortragen. Unsere Glaubensgenossen wurden damals sehr hart behandelt; die englische Regierung, unter deren Proteefcorat die Insel stand, mischte sich grundsätzlich nicht iu die innere Verwaltung, welche in Folge dessen sehr vernachlässigt wurde. Seit dieser Zeit ist eine bedeutende Veränderung dort eingetreten, und unsere Glaubensbrüder sind gegenwärtig freie Bürger des griechischen Königreichs geworden. Sonntag Morgen, den 2. Juli, erblickte ich von fern die Küste Egyptens und langte bald darauf wohlbehalten in Alexandrien an. In dem Hause eines europäischen Juden wurde ich gastfrei und liebevoll aufgenommen, verweilte dort aber nur kurze Zeit und machte mich dann auf den Weg nach dem Judenviertel. Die Stadt selbst bietet dem Auge des Beobachters nichts Merkwürdiges dar. Ein Gemisch von allen mögliehen europäischen und orientalischen Völkerschaften, die sich hier zusammenfinden, um Geld zu verdienen, gibt der Stadt eher das Aussehen eines grossen Stapelplatzes, als das einer Hauptstadt, an welche sich die reichen und rühmwürdigen Erinnerungen des niacedonischen Eroberers und Erbauers knüpfen. Die wenigen Tage, die ich vor meiner Abreise nach Jaffa in Alexandrien zubringen konnte, verwandte ich dazu, die Schulen, die vor vierzehn Jahren dort gegründet, aber wieder gänzlich verschwur!״ den waren, von Neuem ins Leben zu rufen. Der alte Chachatn Salomon Hazan, der wenige Wochen nachher starb, zeigte sich meinem Plane sehr gewogen und unterstützte durch seinen Einfluss die Bildung einer geordneten Gemeinde, was ich für das beste Mittel zur Gründung dauerhafter, lebensfähiger Anstalten hielt.