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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1866-01-01 · Heft 9 · p. Seite 322

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
15 (1866)
Issue
Heft 9
Article
Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient und der Nordküste Africa's während der letztvergangenen Decennien
Date
1866-01-01
Page
Seite 322 (sequence 2)
Language
German
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322 Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Jaden Meor En&yim unser Unterhaltungsthema. Unter einem fast beständig klaren Himmel vertieften wir uns in das Werk des gelehrten Rabbiners von Ferrara und wurden hierdurch in unsern Gedanken und in der Erkenntniss der Bedürfnisse unserer Zeit einander näher gebracht. Der ehrwürdige Herr Sananesch, der in Tlemcen geboren und erzogen ist, hatte sich von seiner siebzehnjährigen Tochter die französische Sprache lehren lassen, und späterhin hatte er auch von ihr die französischen Schriftzüge gelernt. Durch die Streifzüge Abdel-Kaders, der zwar einige Monate später gefangen genommen ward, wurde unser militärischer Marsch unterbrochen und wir mussten circa zehn Tage auf die Unternehmung eines Ausfluges warten, den man heute bequem in dreissig Stunden hin und zurück macht. Die Gemeinde von Mostaganem quartierte uns bei dem würdigen Salomon Zarphati ein, der in sei- Dem Hause eine Karavanserei und ein Hospital hatte, und der von dem Wunsche beseelt war, sich durch den Einfluss, den ihm sein Vermögen und seine Stellung als Vermittler zwischen dem arabischen Häuptling der Provinz and der französischen Militärbehörde verschaffte, seinen Brüdern nützlich zu erweisen. Als ich dem Oberst Bosquet, der später Marschall geworden und vor einigen Jahren gestorben ist, meine Aufwartung machte, lernte ich mehr und mehr die gereizte Stimmung kennen, die zwischen einigen OfBcieren und dem Theile der israelitisehen Bevölkerung herrschte, der sich durch die Arbeit und in Folge der ihm durch die Civilisation verliehenen Freiheit geistig hob. Die meisten mir vorgebrachten Klagen betrafen die zahlreichen Bauten, welche die Israeliten in den besetzten Städten aufführten*, so wurde das, was eigentlich ein Gegenstand der Befriedigung hätte sein sollen, was den Reichthum des Landes vermehrte, was man sehr gerühmt und in den Himmel gehoben hätte, wenn es von den Arabern ausgeführt worden wäre, der israelitischen Bevölkerung zum Vorwurf gemacht und gab einen Vorwand, sie deswegen zu tadeln. Ich wurde nicht müde, gegen solche Vorurfcheile anzukämpfen und fand

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