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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1866-01-01 · Heft 6 · p. Seite 202

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
15 (1866)
Issue
Heft 6
Article
Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient und der Nordküste Africa's während der letztvergangenen Decennien
Date
1866-01-01
Page
Seite 202 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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202 Rückblick auf Zustände und Ereignisse der-Juden Ende März an. Ich übersetzte alsbald den hebräisch geschriebenen Brief und begab mich sodann zu dem derühmten Advokaten Cremieux, um ihn mit den hierzu erforderlichen theologischen Elementen zu versehen. Er schrieb einen geharnischten, mit heftigen Vorwürfen angefüllten Artikel, der in dem Journal des Ddbats abgedruckt wurde und einen lebhaften Widerhall fand. Aber die Verschwörung unserer Feinde war fein angezettelt, denn man wollte zugleich die in Frankreich herrschende Aufregung wegen der politischen Isolirung in der orientalischen Frage und die christliche Wiedergeburt in Syrien Hand in Hand gegen uns wirken lassen. Allein wenn die christliche Kirche den Ausspruch geheiligt, ״das Blut der Märtyrer sei der Same der Religion,“ so hat auch das Judenthum diesen Satz, den es in den Zeiten der Bedrückung wiederholent-lich zur Anwendung gebracht, niemals verleugnet. Die Verfolgung macht Israel stark, es legt in derselben die Gewalt seiner Ueberzeugungen an den Tag. Man zog alle Schleusen auf, um die Unthaten laut werden zu lassen, welche die Crösusse von Hamascus gegen einen unglücklichen Priester verübt hatten, der, wie Alles, was mit der katholischen Religion im Orient .zusammenhängt, von Frankreich und seinen Vertretern beschützt wurde. Mehmed-Ali war nicht nur Vicekönig von Egypten, sondern auch Herr von Syrien, die Türkei war durch die vielen Niederlagen geschwächt, und an ihrer Spitze stand an Stelle des thatkräftigen und euergischen Sultan Mahmud sein junger und schwacher Sohn Abdul-Medjid. Alles dieses vergrösserte die Schwierigkeit, einen klarenEmblick in diese Angelegenheit zu erlangen, die Wahrheit an den Tag zu bringen und die Schwäche und Unerfahrenheit der Einen wie die Bosheit der Anderen zu unterscheiden. Da ich mich im Besitze der meisten Originalacten befinde und erst vor wenigen Monaten die Stadt Damascus besucht habe, woselbst ich noch mehrere Opfer dieser Verleumdung am Leben fand, will ich alle Thatsachen erzählen, welche zu jener Zeit die Gemüther der Juden in allen Ländern heftig erregten, und die unsern Glaubensgenossen in der neuern Zeit zum ersten

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