Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 3
- Article
- London [Nachricht]
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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120 Monatschronik. \ dahin aus, dass es nunmehr an der Zeit sei, den Juden, die bisher als Parlamentsmitglieder blos geduldet waren, auch das Recht zu verleihen, Parlamentssitze einzunehmen. Pesth. Während der Adressdebatte kam auch die politische Stellung der Juden im Königreich Ungarn zur Sprache, bei weleher Gelegenheit sich der Landtag einmiithig für die Gleich- Stellung derselben erklärte. Prag*. In verschiedenen Ortschaften Böhmens, wie in Hostomic, Vseradic, Praskoles, Cerhovic, Maut, Rokitzan, Beraun u. a. fanden in den letzten Tagen des Februar seitens der czechisehen Bevölkerung Excesse gegen die Juden statt. Man schlug ihnen die Fenster ein, plünderte und vernichtete ihre Habe, und vergriff sich auch an ihnen selbst. Dass die demagogischen Bewegungen der Czechen in solcher Gestalt ausarten, dass diese böhmischen Patrioten in ihrem Fanatismus Handlungen verüben, die ein würdiges Seitenstück zu den Judenverfolgungen des Mittelalters abgeben, ist ein sprechender Beweis ihrer geistigen und politischen Unreife. Denn während die Ungarn in ihrer Reichsvertretung sich unverhohlen für die Judenemancipation aussprechen, während in der Schweiz, in Deutschland, inRussland, in Skandinavien die Rechte der Juden immer mehr erweitert werden, bekunden die Czechen durch derartige Auftritte, dass sie sich nicht nur von den Deutschen, — mit denen sie ja Nichts gemein haben wollen, — sondern von allen civilisirten Nationen der Welt wesentlich unterscheiden. Russland. Durch einen kaiserlichen Erlass ist allen Jaden, welche auf einer russischen oder polnischen Universität ein Diplom erlangt haben, die Fähigkeit, Civilämter zu bekleiden, zuerkannt worden. Auch sollen in Zukunft an den Gymnasien jüdische Religionslehrer etatsmässig angestellt werden. Wien. An Stelle des verewigten Manheimer ist Herr Dr. M. Giidemann, Rabbiner zu Magdeburg, Zögling des jüd.-theol. Seminars zu Breslau, zum Rabbiner und Prediger in hiesiger Gemeinde einstimmig gewählt worden.