Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient und der Nordküste Africa's während der letztvergangenen Decennien
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 442 (sequence 2)
- Language
- German
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442 Rückblicke auf Zustände und Ereignisse der* Juden jenem Mitgliede nicht ans der Confession ein Vorwand hergeholt worden. Diese jungen Männer sind zu zeitlich mit ihrem Verlangen hervorgetreten, da nach dem Regle־ ment sie noch ein Jahr in der Normalschule zu verbleiben haben. Nach Ablauf dieser Zeit haben sie gegründete Hoffnung, zu den Lehrstühlen der Mathematik Zutritt zu finden. Nicht minder eifrig vertrat das Consistorium die politischen Interessen der Gemeinde bei einer andern Gelegenheit. Die Stadt Paris beschloss zur Feier der Taufe des Herzogs von Bordeaux, im October 1820, vierzehn Mädchen auszustatten, zwölf wurden von den Maires, zwei von dem Seinepräfecten vorgeschlagen. Unter den Vorgeschlagenen befand sich keine Israelitin, und das Gonsistorium erhob bei dem Präfecten, Grafen Chabrol, laute Klage hierüber. Dieser antwortete in einem Schreiben vom 21. October, er wäre gern auf den Wunsch des Gonsistoriums eingegangen, um den israelitischen Glaubensgenossen einen Beweis von seinem Interesse für sie an den Tag zu legen; allein die Zahl der zu Verheirathenden sei sehr beschränkt, sie beläuft sich nur auf vierzehn, und die israelitische Bevölkerung bildet noch bei Weitem nicht den vierzehnten Th eil der Bevölkerung der Stadt Paris. Würde er ferner aus der israelitischen Gemeinde ein Mädchen ernennen, so müsste er auch hinsichtlich des protestantischen und reformirten Consistoriums, deren resp. Bevölkerung stärker als die israelitische ist, eben so verfahren müssen, und es würden dann nur elf zur Verfügung der Maires bleiben u. 8. w. Ein weiterer Schritt der staatlichen Anerkennung geschab unter Karl X., der bei seiner Thronbesteigung im Jahre 1824 das Consistorium mit dem Consistorial-Rabbiner Ritter von Cologna an seiner Spitze, in feierlicher Audienz empfing und dessen Beglückwünschung entgegennahm. Auch wurde im Jahre 1828 mit königlicher Bewilligmig die Rabhinerschule zu Metz begründet. — Die vollständige religiöse Anerkennung und Gleichstellung vollführte sich unter Ludwig Philipp. Bezeichnend für die Gesinnung dieses Fürsten gegen die Juden sind folgende,