Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Magdeburg
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 290 (sequence 10)
- Language
- German
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290 Zur Geschichteder Juden in Magdeburg. nehmes Object für eine wissenschaftliche Untersuchung ist, so bleibt doch der Werth der Wahrheit überall derselbe und um ihretwillen halte ich eine Darlegung und Begründung meiner Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Quellenberichte für nicht überflüssig. Mustern wir zunächst diese selbst. Der verlassliebste unter allen ist unstreitig der der Schöppenchronik, da sie an Ort und Stelle und jedenfalls nicht allzulange nach dem angeblichen Vorfälle niedergeschrieben ist. Dieselbe sagt z. J. 1267: Ok geschah by düsses bischopes tyden dat ein jode an dem sonnavende vel in ein privete oder heimlichkeit. Dem wilden de andern joden nicht ut helpen uppe dat se Ör vyr (feier) nicht en breken des sabbates. De mere kernen vor den bischop, he bot den joden 86 sch olden synen 8 abhat den sondag ok fyren by synen hulden und den ok mit deine stinkenden joden nicht unfledigen (verunfläthigen). Also moste de jode den anderen dag ok in der privete unde in der rachen (?) liggende hüben ane Hülpe. Cranz, der um 1500 schrieb, malt den Vorfall (a. a. O.) noch weiter aus und schliesst höchst interessant: Sedebat interim Judaeus in paedore et periculo duobus diebus ae noctibus, utpertinaciain süam agnoscerenl improbi hoinines qui oecidentem litteram sequuntur et illi pertinaciter inhaerent non ferentes de facie Mosis tolli velamen ut quid subtus sit inspiciant. Auch Joseph hacohen (Emek Ilabacha, S. 44 der Uebcrs. v. Dr. M. Wiener) berichtet den Vorfall, wie er selbst sagt, nach einem christlichen Schriftsteller, nur dass er das Jahr 1272 angibt und statt des Magdeburgischen Erzbischofs den Papst bei dem Vorfälle betheiligt sein lässt. Doch fügt er schon den demerkenswerthen Zusatz bei: ,,Denn er (der Papst) glaubte jenen Leuten“, womit er selbst (Joseph hacohen) unzweifelhaft ein Bedenken gegen die Thatsächlichkeit des Vorfalles äussern will. Ich glaube, dass dieser Bericht Joseph hacohen’s Herrn Dr. Wiener eher hätte veranlassen müssen, den Vorfall in das Reich der Fabel zu verweisen, statt dass er durch eine*Collation mit Cranz und Botho das Factum, den Namen des Erzbischofs und den des Juden ein für alle Mal sicher gestellt glaubt (Histor. Jahrb. S. 210f.) — Es existirt aber noch eine andere Version sowohl über die Zeit, wie über die Form der Begebenheit. Nach ISinjgen soll dieselbe zweihundert Jahre später, unter dem Erzbischof Ernst stattgefunden haben, also zwischen 1476 — 1513