Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Magdeburg
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 286 (sequence 6)
- Language
- German
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Zur ■ Geschichte der; Juden in Magdeburg. Zur ■ Geschichte der; Juden in. Magdeburg.; mehr erkennbar ist. Es soll nämlich — wie die Sage erzählt — an einem Sonnabende des Jahres 1266 oder 67 ein Jude, Salomon mit Namen, in den Abgrund eines gewissen heimlichen Gemaches gefallen sein, und, wie natürlich, kläglich um Hülfe gerufen haben. Die Juden, die herbeikamen, bedauerten, die Sabbathgesetze vorschützend, keine Hülfe leisten zu können. Diese Nachrieht kam vor den Erzbischof, und der gab sofort Befehl, dass nun auch der Sonntag dem Sonnabend gleich geachtet werden sollte, und so musste der Jude bis zum dritten Tage in seiner traurigen Lage verharren2). Höchst wahrscheinlich stammt auch aus dieser Zeit die auf die Juden gemünzte Kapital verzierurig an dem ersten der südlichen Halbpfeiler der westlichen Vorhalle des hiesigen Domes. ״Es ist die Composition einer Sau mit Juden. Einer derselben steht hinter ihr, ohne eine besondere Beschäftigung; ein zweiter, etwas kleinerer, kniet neben der Sau und saugt an ihrem Euter, und vor ihr steht eine Jüdin, welche, so weit sich dies bei dem starken Farbenanstrich erkennen lässt, eine Frucht von dem vor ihr stehenden Baume bricht: vielleicht eine Hindeutung auf den ersten Sündenfall oder auf das sündhafte Volk. Nach der Jüdin folgt wieder ein Jude, der eine Schriftrolle auf der Hand hält (der Rabbiner mit dem Gesetze?)3)“. Auch an andern Orten in der Nähe Magdeburgs finden sich dergleichen Bilder4). Gegen Ende des Jahrhunderts drohte abermals eine Verfolgung, zu welcher auswärts das Beispiel gegeben war, über die Juden zu Magdeburg hereinzubrechen. Nach der Schöppenchronik hätten die Juden zu Mainz i. J. 1285 ein Christenkind getödfcet und ihm das Blut aus 2) Siehe Note I, 3) Brandt, lieber die Thiergestalten an Kapitalen im Dom zu Magdeburg in den ״Neuen Mittheil. d. Thür.-Sachs. Vereins“ Bd. 7, S. 139, wo.die Verzierung abgebildet ist. Ebenso Desselben ״Der Dom zu Magdeburg.“ S. 51. 4) Siehe Note II.