Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension] / J. G.
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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' " Recensiönen und Anzeigen. 235 Jahrbuches herausgegeben. Aufsätze verschiedenen Inhalts und meistenteils auch von innerem Gehalt bieten dem Leser eine angenehme und lehrreiche Unterhaltung. Wir erwähnen zunächst ein von Dr. Jellinek dem Herausgeber zum Druck übergebenes Manuscript, dem Jellinek einige einleitende Worte vorausschickt und unter dem Titel קורות סדר הלמוד erscheinen lässt. Dass das Talmudstudium durch die Dialektik frisch und lebendig erhalten wird, ist kaum zu bestreiten. Wie sehr jedoch die Dialektik, wenn sie nicht in engen Grenzen festgehalten wird, in Spielerei und Sophistik ausarten kann, tritt auch auf dem Gebiete des Talmuds zu Tage. Schon zur Zeit der Entstehung des Talmuds bedienten sich einzelne Talmudlehrer der Dialektik in etwas zu weit gehender Weise, und es finden sich im Talmud Stellen, wo diesem Verfahren mit allem Ernst Einhalt zu thun geboten wird. Während sich jedoch zur Zeit der gaonäischen Periode, wie dies aus den uns erhaltenen Resten der gaonäischen Literatur zu ersehen ist, das Talmudstudium in den gebührenden Schranken hielt, begann mit den Abschluss dieser. Periode ein neuer Geist dasselbe zu beherrschen. Man kann indess nicht sagen, dass die spanische und fr anzösische Schule der Dialektik einen zu weiten Spielraum eingeräumt hatten. Im Gegentheile suchten Systematiker wie Alfasi, Maimonides, Salomon b. Aderet und Andere die Dialektik 80viel als möglich zu beschränken. Erst mit dem Aufblühen der deutschen und polnischen Schule nahm die Dialektik einen allzu kühnen Aufschwung und begann sich in der üppigsten und unbeschränktesten Weise auszubreiten. Man verfasste besondere Werke, die den Talmudjünger in die verschlungenen Wege der Dialektik einführen und ihn befähigen sollten, dialektische Gebäude einzureissen und selber wieder aufzuführen. Es war dies die Blüthezeit der sogenannten חילוקים? verschiedener Arten von Schematen talmudischer Disputirkunst. Diesen Abnormitäten trat gegen Anfang des 16. Jahrhunderts R. Löb, bekannt unter dem Namen מו״הרל מפראג, R. Jesajah Horwitz und sein Sohn R. Schefftel, besonders aber R. Chajim Jai'r Bacharach entgegen. Bacharach verfasste nun eine eigene Schrift יאיר נתיב - welche die Verkehrtheiten einer ausschweifenden Dialektik mit harten Worten geisselt. Diese Schrift war bisher nur handschriftlich vorhanden, und Jellinek hat nun einen grossen Theil dieses im