Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Wien [Nachricht]
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 204 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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204 Monatschronik. Meisterschaft die Erhabenheit der Bibel und ihrer Lehren zur Anschauung zu bringen. Und was Mannheimer durch das Wort gelehrt, hat er durch das Leben bethätigt; er steht als Seelsorger im eigentlichen Sinne des Wortes weit höher denn als Prediger. Frei von jedem eigennützigen und selbstsüchtigen Zuge und Interesse, unermüdlich und unverdrossen thätig das Wohl der Gemeinde zu fördern, hat er unzählige gemeinnützige Anstalten in'8 Leben gerufen und gekräftigt. Mit tiefem Gemüthes nahm er Theil an jedem menschlichen Leide, und wer vermöchte alle die Leidenden und Armen zu zählen, die durch sein Wort getröstet, durch seine Mithülfe unterstützt, durch seine Anregung ihrer Noth und Armuth entzogen wurden! — Dieses warme Herz für jedes Leid und Weh, dieser Sinn und Drang, überall zu helfen, zu wirken, 11688 ihn auch unerschrocken seine Stimme erheben für die Rechte seines Volkes, und die Rede, die er als Landtagsabgeordneter bei der Frage der Judensteuer gehalten, ist ein Denkmal seiner glühenden Begeisterung nicht minder wie seiner oratorischen Begabung. So lebte und wirkte Isak Noe Mannheimer in allen Sphären menschlicher Lebens- Verhältnisse, als gläubiger Israelit, als pflichttreuer Beamte, als thätiger Bürger, als edler Menschenfreund, als zärtlicher Gatte und aufopfernder Familienvater. — Unter welchem ehrenden Geleite seine irdischen Reste der Erde zurückgegeben wurden, ist aus öffentlichen Berichten bekannt. In Wien wurde ein Trauergottesdienst abgehalten, der durch eine treffliche, das Wirken und die Verdienste des Verstorbenen vollständig würdigende Rede des Predigers Herrn Dr. Jellinek gehoben wurde. Auch in Prag und anderen Gemeinden des österr. Staates wurde das Andenken Mannheimer’s durch Gebete und Reden geehrt. — Ein hier zusammengetretenes Comite will die ״Prediger Mannheimer-Stiftung", die aus den bei dem 70. Geburtsfeste des edlen Mannes ihm zur Verfügung gestellten Betrage von 4000 fl., auf seinen Wunsch zur Unterstützung von Rabbinen, Predigern und Lehrern, die dienstunfähig geworden sind, oder deren Wittwen und Waisen, errichtet wurde, erweitern und fordert zur Theilnahme hierzu alle Gemeinden und Alle, die die Bedeutung Mannheimer’s erkannten, auf.