Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Corfu [Nachricht]
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 203 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2829132-2829318-2829324--09205-2861306- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Mon ats Chronik. 203 <' ׳ bieten gemeindlichen Lebens zu Tage. Neben unseren wohlthätigen Anstalten zählt die Gemeinde auch vier Synagogen. Als anmerkenswerth ist hervorzuheben, dass die von mehr als 200 Knaben besuchte Armenschule seitens der Regierung eine jähiv liehe Subvention von 150 L. Sterling erhält. Wien. Der Schmerz um Mannheimers Hintritt hat noch nichts an seiner Intensität verloren. Wir geben hier folgende biographische Notizen. Geboren zu Copenhagen am 17. October 1793, absolvirte er seine classischen und philosophischen Studien an der Hochschule seiner Vaterstadt, und wurde 1816 Seitens der dänischen Regierung als jiid. Religionslehrer in Copenhagen angestellt. Aber ein innerer Drang führte ihn gar bald aus der engen Sphäre der Schule auf die Kanzel, und nachdem er bei dem Reformverein zu Copenhagen, am Beer'schen Tempel zu Berlin als Prediger wirkten, in. welcher letzteren Stadt namentlieh der Umgang mit Zunz, Jost, Moser, Gans u. A. anregend auf ihn gewirkt, folgte er im J. 1825 einem Rufe als Prediger und Religionslehrer nach Wien, in welcher Stellung er bis zum Ende seines Lebens verblieb. Aber die Wiener Gemeinde verliert in ihm nicht nur ihren Prediger und Seelsorger, sie betrauert in ihm zugleich ihren Schöpfer und Begründer, der durch die Hochherzigkeit seiner Gesinnung, durch die Macht seines Wortes und die Tkatkraft seines Willens die vorher zerstreuten und in staatliche Fesseln geschlagenen Elemente befreit und geeinigt, und Licht und Ordnung hineingetragen in das Chaos unfertiger und ungeregelter Verhältnisse, wie sie in der Wiener Judenschaft noch im Anfänge der 20er Jahre sich vorfanden. Mannheimer hat sich erst eine Gemeinde geschaffen, in der er mehr als 40 Jahre hindurch das Gotteswort mit einer Begabung und Begeisterung lehrte, die seinen Namen bald zu einem der gefeiertsten innerhalb des Judenthums gemacht und ihm den Rang eines ersten Kanzelredners erworben haben. Bekannt und vertraut mit der Bibel und ihren Auslegern nach allen Riehtun gen, im Besitze einer vorzüglichen Exegese, bewandert in der Ethik des Talmud und Midrasch, im erzählenden und darstellenden Stile von einer fast künstlerischen Plastik, scharf und ätzend, wenn es galt Thorheiten und Schwächen zu geissein, wusste er die Glut für die Sache, von der er selbst erglüht war, auch in dem Herzen seiner Zuhörer anzufachen und mit seltener