Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1864-01-01 · Heft 10 · p. Seite 408

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
13 (1864)
Issue
Heft 10
Article
L. Milch [Nachricht]
Date
1864-01-01
Page
Seite 408 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829304-2829315-2860826--08802-2860894
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

408 Nekrolog. lau im J. 1799, offenbarte der Verblichene schon früh eine Biederkeit, die ihm allgemeine Achtung erwarb und auf di'c man mit Vertrauen hinblickte. So wurde er denn auch bald zu wichH tigen Aemtern berufen: er war durch mehrere Jahre Mitglied! des Vorstandes der Israel. Gemeinde zu Breslau, und es legte der Commercienrath Jonas Franckel bei seinem Hinscheiden das Curatprium der von ihm verfassten grossartigen Stiftungen mit in seine Hände. Und welches organisatorische und administrative Talent entwickelte er hier! Fränckel hatte die Mittel zur׳ Errichtung hinterlassen, der tief betrauerte Verschiedene hatte wesentlichen Antheil an der Errichtung und seine Hand leitete mit unermüdlicher Sorgfalt das Errichtete. Die Stiftungen waren gleichsam seine Lieblingskinder, mit liebendem Auge überwachte er deren Gedeihen und Bestehen; jeder Tag fand ihn in unablässigem Bemühen für deren Erhaltung und Förderung, und es vermochte selbst seine seit Jahren erschütterte Gesundheit nicht, ihn von diesem von ihm als heilig erkannten Berufe abzuhalten. Vor Allem war es das Seminar, dem er mit der innigsten Liebe anhing: er war Lehrenden und Lernenden ein Freund, jeder Fortschritt erfreute ihn, jedes Gelingen erweckte in ihm ein freudiges Hochgefühl. An dieser Anstalt schien auch der!schwache Lebensfaden zu hängen, noch 2 Tage vor seiner Auflösung folgte er mit gespannter Aufmerksamkeit einem auf seinen Wunsch ihm vorgelesenen Aktenstücke des Seminars |und legte noch manchenin dessen Interesse erfassten Plan dar. Sein Leben zierten überhaupt unbeschreibliche Herzensgüte und echte Humanität: mit würdiger Ruhe, Ausfluss des in sich gefestigten Charakters, vertrat er die Interessen der sich an ihn wendenden Dürftigen lind Leidenden; wie seine Hand stets geöffnet, war sein Sinn nicht minder offen wo es sich handelte um Einstehen für Recht, um Erfüllung von Pflicht, um Ausübung des Guten; ruhig ging er mit unerschütterlicher Gradheit auf sein Ziel los, und es gelano• ihm viel des Grossen und Edlen. An seinen Namen knüpfen sich heilige Erinnerungen, er hat einen Namen voll der Ehre zurückgelassen: sein Andenken, seinen Freunden ewig theuer, wird zum steten Segen verbleiben. Frankel.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.