Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 13 (1864)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Geschichte der Juden in der Schweiz
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 2)
- Language
- German
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״׳2 p; B.״ Geschichte, der Juden 5h"d£’15,'Schweiz, 47 Wie überall so zog die Härte des Zinsfusses und der Reiclitbum den Juden auch hier den bittersten Hass der übrigen Bevölkerung zu, welcher noch dadurch immer mehr genährt wurde, dass ihnen die Berner stark verschuldet waren und Zahlung zu leisten sich weigerten. Sie sannen auf ein Mittel, sich ihrer jüdischen Gläubiger zu entledigen und fanden es in einer Zeit des allgemeinen Unfriedens, bald nach dem Tode des Kaisers Rudolph, im Jahre 1294. Ein Knabe, Namens Rudolph (Ruff), wurde einige Tage vermisst. Nach langem Suchen fand man endlich seinen Leichnam, der Spuren von Misshandlungen trug, so dass man ihn für ermordet halten musste, und beschuldigte, wie dies in derselben Zeit auch in Mainz, Colmar4) und in anderen Orten geschehen, die Juden der That. Die Berner ergriffen den Juden Joel (Joli), in dessen Hause das Verbrechen soll verübt worden sein, und alle an dereu Juden und Jüdinnen, thürmten sie ein und enthielten sich nicht der damals üblichen Grausamkeiten: man flocht sie auf’s Rad, folterte sie zu Tode oder vertrieb sie5). Die Sache gelangte an den König Adolph, in dessem Schirm alle Juden des Reiches, zu dem damals auch Bern noch gehörte, als Kammerknechte standen. Da erschienen in Bern Bischof Peter von Basel, Gott- 4) Puer noviun annoruin Colmariae a Judaeis interficitur (1292). Arnial. Colmar. 27; bei Kopp a. a. 0, III, 1, 143. 5) Annales Colmariens. 28 ad au. 1294: Judaei Bernenses puerum üt dixerunt acciderunt. Seit Justin ger (Berner Chronik [Bern 1819] 38 ff.) wurde diese That mit Unrecht in die Zeit des Kaisers Rudolph (1287) gesetzt (vgl. Stettier, Schweizer-Chronik 1, 20 u. a. bei Ulrich a. a. 0. 144 ff.) und die unrichtige Folgerung daraus gezogen, dass Kaiser Rudolph der Juden wegen mit 30,000 Mann gegen Bern gezogen sei. Vgl. TilHer a. a. 0. I, 72. Diesen Angaben folgt nach Lebastian Münster auch der Verf. des Emek Habacha, .6י; Zunz, 8^nag. Poesie, 33; Depping, Die .Juden im Mittelalter, 180; Grätz hat von der ganzen Geschichte keine FJotia genommen. Erst Kopp hat in seiner Geschichte der eidgenössischen Bünde II, 2. 399, Anm. 2 u. 409, Anmerk. 1, Urkunden zur Geschickte der eidgenössischen Bünde II, 31 und neuerdings Geschichte der eidgenössischen Bünde III, 1, 143, das allein Richtige nachgewiesen.