Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Frankreich (Ferrières) [Nachricht]
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 477 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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Monatschronik. 477 Augenblicke unserer armen Brüder vergessen — und sei bestimmte er 50,000 fres. iur mildthätige Zwecke. Nach den übliclien Weihegebeten wurde vom Herrn Baron selber Mincha vorgebetet. — Das Bet/immer, ist einfach und geschmackvoll eingerichtet und drückt die fromme Gesinnung, aus der das Werk entstanden ist, auch durch seinen äusseren Schmuck aus. Marocco. In Safli starb vor einigen Wochen einer der spanischen Beamten, die in Folge des letzten Friedens dort und. auch anderwärts so lange residiren und die Gerichtsbarkeit üben, bis die Schuld abgetragen sein wird, die Jlarocco an Spanien zu zahlen sich verpflichtet hat. Ein Mjähriger israelit, Knabe, der im Hause dieses Beamten verschiedene Dienstleistungen hesorgte, wurde auf Grund eines böswilligen Gerüchtes beschuldigt, Gift in die Speisen gemischt zu haben, and mit noch drei anderen Israeliten in's Gefängniss geworfen. Statt über den Thatbestand eine gerichtliche Untersuchung einzulciten, zog man es vor, auf leichtere Weise sich über das Crimen durch die Inculpatcn selber zu instrmren mul ein peinliches Verhör vor zunehmen. Man verfuhr dabei ganz nach der Instruction der im Mittelalter üblichen Inquisition. Der arme Knabe wurde nach den verschiedenen Graden gefoltert, so dass er in Folge* der schrecklichen Schmerzen, bevor er über das angebliche Sachverhältniss genügende Auskunft ertlieilte, seinen Geist aufgab. Deshalb verfuhr mau mit den drei anderen Incriminirten vorsichtiger. Einer derselben war ein junger Mann von 2i Jahren von kräftiger Gestalt, den man sich zu diesem grausamen Process besonders ersah. Mau marterte ihn so lange, bis er, um der unsäglichen Schmerzen los zu werden, das Geständnis8 ablegte: Ja, ich habe mit meinen Händen den Herrn getödtet. Der Gesandte in Tanger, der das ganze Verfahren durch seine Befehle leitete, verurtheiltc ihn in Folge dessen zum Tode. Am IG. September Vormittag wurde der junge Mann, nachdem noch einige ruchlose Soldaten Flinten auf seine Füssc abfeuerten, auf offenem Markte enthauptet. Am Tage der Hinrichtung wurde er wiederholt von mehreren Israeliten um die Wahrheit des Sach Verhältnisses befragt, und er betheuerte, dass er ganz uaschuldig sei, und er sich nur, um von den Folterqualen befreiet zu werden, zu dem Bekenntniss entschlossen habe. Die anderen beiden Verdächtigen sind noch izn Gefängniss, werden gleichem