Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Zur Geschichte der Juden Amerika's
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 362 (sequence 2)
- Language
- German
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362 Zur Geschichte der Jaden und Cura^ao an, und erhielten in den meisten Colonien vollständige Religionsfreiheit. In Surinam hatten sie an• haltende Kämpfe theils mit den einheimischen Indianern, tlieils mit den Buschnegern zu bestehen. Viele Negersei ave n waren nämlich aus den Plantagen entflohen und führten von da aus Krieg gegen ihre ehemaligen Herren. Wie bedeutend die Anzahl der Neger auf den Juden zugehörigen Besitzungen war, gehet aus dem Umstande hervor, dass ein Stamm der freien Buschneger noch heute die ״Djoe-tongo“ oder Judensprache spricht*). —- Die Juden zeichneten sich auf den holländischen Colonien häufig im Kampfe gegen Franzosen und Engländer aus, und sind allen anderen Bewohnern vollständig gleichgestellt. Auch wird ihnen Bildung nf|chgerühmt, und wehrerc von ihnen sind bedeutende Kaufleute. Ihre Anzahl beläuft sich auf ungefähr 3000, sie haben mehrere Synagegen und Erziehungsanstalten**). Seit dem Jahre 1858 wirkt hier Dr. Löwen stein aus Amsterdam als Rabbiner. Unter den englischen Colonien sind Jamaica und Canada hervorzuheben. Schon im J. 1667—1677 gingen mehrere jüdische Colonisten nach Jamaica. Die Zahl der gegenwärtig auf Jamaica wohnenden Juden beläuft sich auf mehr als 5000. Sie sind fast s-ümmtlich portugiesi- *) Die ersten Ansiedler Surinams, wird Zeitschrift der Deutschen morgonlündischen Gesellschaft 11, Bd., S. 324 in einen! Auszüge mitgetheilt, waren theils Engländer, theils portugiesisch redende, cus Brasilier! and Cayenne eingewanderte Juden. Beide redeten zu ihren zahlreichen Negersclavcn in der eigenen Sprache, die aber von den Negern nur unvollkommen aufgefasst und gesprochen wurde. So bildeten sich unter den Negern der Coionie vom Anfänge an zwei neue, unter sich verschiedene Sprachen aus, die neger-englische und die neger-portugiesische. Letztere Sprache, ursprünglich ein verdorbenes Portugiesisch, wurde auf den zahlreichen, jüdischen Eignern zugehörigen Plantagen gesprochen, und ist nun mit dem Wohlstände derjenigen, die sie einführten, aus der Coionie fast verschwunden. Sie wird nur noch von einem Stamme der freien Buschneger gesprochen, dem der s. g. Samarakkaner, die ausser ihrer eigenen ״Djoe-togue“ auch das Neger-englische verstehen. *+) Jost, Neuere Geschichte der Israeliten vom Jahre 1815—1845, Bd. 2, S. 138 f. -- Ausführliches vgl. Kayserling, Die Juden in Surinamp 8. Jahrgang dieser Monatsschrift.