Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Lemberg [Nachricht]
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 360 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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3C0 Monatschronik. den, und cs verlaute, derselbe sei von den «luden todtgcschlagcn worden. In Folge dessen fand man sich veranlasst, Nachfot•- schungcn anzustellen. Diese ergaben, dass ein betrunkener Geseil, der in einer benachbarten Schänke Händel angestiftet hatte, in Folge seiner Trunkenheit auf das Strasscnpflaster niederfiel und von einer Militairpatrouille hinweggebracht wurde. Derselbe befand sieh ,,den Umständen ganz angemessen46 und war schon am nächsten Morgen im Stande, seine gewöhnlichen Besuche in den Wirthshäusern zu machen. Die wohllöbliche Strassenjugend scheint der Wahrheitsliebe des ,,Oonicc" Glauben geschenkt zu haben, und begann am 2C>. Juli einige Häuser iin Judenquartier zu demoliren und sich an den Juden zu vergreifen, die sich indess zur Wehr setzten, so dass es in der Mitte der Stadt zu einem mehrst findigen Kampfe kam. Abends wurde durch Militair das Gesindel zersprengt und viele Verhaftungen vorgenommen. Mannheim. Das hiesige Kahhinat ist durch Herrn I)r. Friedmann, bisherigen Rabbiner von Nakcl, besetzt. Rom. Hier ist schon wieder einmal eine Mortarageschichte vorgefallen. Hin Mädchen von ungefähr neun Jahren, Tochter israelitischer Fitem, entfernte sieh aus Furcht vor einer Strafe aus dem Hanse. Auf dem Platze St. Caterina de Fuuari fing das Kind heftig zu weinen an; da erfasste es eine alte Bet- Schwester, fi ng es nach seinem Namen, und als sic erfuhr, dass das Kind eine Israelitin sei, führte sie dasselbe in das Kloster der Catecumenier. Das Mädchen weigerte sieh jedoch einzutreten, und mm zog die Betschwester dasselbe bei den Haaren zum Thore hinein. Die Mutter gelangte mittlerweile auf die Spur ihres Kindes, erfuhr, dass cs zu den Catucumeniern gebracht worden sei, und rcclamirte es daselbst. Aber die Antwort, die man ihr gab, lautete: ״dass an jenem Orte hebräische Kinder weder Vater noch Mutter mehr haben, dass im Augenblick, w.o eine Israelitin die Schwelle des Klosters überschreitet, sie getauft werde.“ Man denke sich die Verzweiflung der armen Mutter und der übrigen Verwandten, deren Reclatnafcionen bis jetzt noch nichts gefruchtet haben.