Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Paris [Nachricht]
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 444 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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444 Monatschronik. — Wir machen darauf aufmerksam, dass Herr J. Cohen, der in der ״La France“ jetzt für die weltliche Macht des Papstthums Lanzen bricht, nicht nur Mitglied des isr. Consistoriums zu Paris und Mitherausgeber der ״Verite israelite“ ist, sondern auch der Verfasser eines Buches über den Ursprung der Christliehen Religion, ״Les deicides,“ welches von der römischen Curie auf den Index librorum prohibitorum gesetzt worden ist. Pesth. . Die jüdischen Juristen, welchen durch kaiserliche Verfügung gestattet wurde, die sogenannte Censur, d. i. die ungarische Advocatenprüfung, abzulegen, haben sich dieser Aufgäbe durchweg mit glänzendem Erfolge entledigt. Prag. Bei Gelegenheit eines Gesuches des Stud. Arnold Rosenbacher um Zulassung zur Prüfung ans dem kanonischen Rechte, hat die juristische Facultät der hiesigen Universität mit Stimmenmehrheit erklärt: 1) Zur Prüfung aus dem kanonischen Rechte können Juden zugelassen werden; 2) dagegen ist es denselben nicht gestattet, den Doctortitel ״beider Rechte“ zu er werben- Der innere Widerspruch beider Beschlüsse wurde von Hrn. Prof. Wessely (Israelit) auf klare und überzeugende Weise nachgewiesen, aber vergeblich. Reichsliofeil (Bas-Rhin). Als Zeichen einer nächahmenswerthen Toleranz bemerken wir, dass an einer durch den Maire zu Gunsten zweier abgebrannten jüdischen Häusler veranstalteten Collecte, sich vorzugsweise die katholische Landbevölke-. rung betheiligt hat. Semlin. Die Israeliten, welche sich während des Bombardements aus Belgrad hierher gerettet und denen der Aufenthalt in der österreichischen Stadt mit so viel Toleranz gestattet worden, haben in dem Augenblicke, als die Räumlichkeiten der Militair- Quarantaine zu ihrer Verfügung gestellt worden, plötzlich den Befehl erhalten, binnen acht Tagen die Militairgrenze zu verlassen. Wien. Als ein trauriges Zeichen der Zeit theilen wir mit, dass jetzt überall auf dem flachen Lande wieder Judenhetzen und; Judenverfolgungen in Scene gesetzt werden, ohne dass bis jetzt abhelfende .Schritte seitens der Regierung getroffen wurden.