Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Zur Geschichte der jüdischen Ärzte
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 351 (sequence 2)
- Language
- German
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Analekten. 351 sein Herz hing sehnsuchtsvoll an seinem Vaterland und an den dort zurückgelassenen Seinen. Nichts vermochte ihn zu trösten, . Umsonst waren die Liebesworte seines Verwandten und Leidens- ־ gef ährten Flavio Joseph, von dem uns noch folgendes an den unglücklichen Diego gerichtetes Epigramm auf bewahrt ist: Neulich noch warst Du am Duero, jetzt schon weilst Du am Rhein, . Wer weiss, wie bald, o Diego, am Tiberstrom Du wirst sein? Wirst auch des Nil es Mündung, des Sieb einarmigen,; schauen? Wirst Du am Gangesufer unter glühendem Himmel noch bauen?. 0 trau’ auf Gott und glaube! die Enkel werden erzählen, ■ \ Was wir erduldet haben ־־; sie werden das Bessere wählen. Die Melancholie trieb den armen Diego , dessen poetische Begabung, besonders auf dem Gebiete der Lyrik, sehr gerühmt wird, und von dem zwei medicinische Werke (״De Febribus libri quinque“ und ״De Diebus Criticis“) handschriftlich erhal- ' ten sind, von einem, Orte zum andern, bis ihn endlich in Cörfu. der Tod ereilte und er fern von der Heimath die Ruhe fand, wonach er so lange sich sehnte. Er verfertigte sich selbst eine lateinische Grabschrift, welche ... in freier Uebersetzung lautet: Leb’ wohl, geliebtes Vaterland! Dein Zögling ziehet von hinnen, Er. ziehet hin in jenes Reich, wer kann auf Rückkehr sinnen? Nicht soll der Vater Duero die Gebeine mir bespülen, Die Finthen des aegeischen Meeres werden mein Gebein durchw!ihlen.*) Bin wandernder Arzt. Bei dem häufig wiederholten päpstlichen Verbote, dass jüdische Aerzte christliche Kranke nicht besuchen dürfen, war es nichts Ungewöhnliches, dass namentlich Italiener auf ihre . Kunst reisten; sie erhielten ein Patent und hausirten mit der. Medicin wie mit einer Waare. Einen solchen wandernden jüdischen Arzt, deutscher Abkunft, lernen wir in der Person eines gewissen Joseph Jacobs.- . 8 o hn kennen. Joseph war in Prag geboren und der Sohn eines dortigen Juweliers, Namens ״Rabbi Jacob.“ Seine Reise dehnte sich bis nach der Schweiz aus. Von Basel, wo er in mehreren Kuren glücklich war, begab er sich nach Zürich, um auch im dortigen Hospital den Leidenden Hülfe und sich einigen Verdienst zu ver- *) Barbosa, Bibi. Lusii. IV, 100.