Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 326 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829276-2829286-2858932--07077-2858983- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
826 . Dr. Bernhard •Beer. dete ihm. den Mittelpunkt, um den in nahen und fernen Kreisen die Erzeugnisse der theologischen Literatur als der flüssig gewordene Offenbarungsgedanke sich concentriren, an den ferner die philosophischen Systeme, deren Endpunkt doch ebenfalls Theologie, sich anreihen oder sich von ihm durch eentrifugale Resultate entfernen. Und in Beer’s Geist durchdrangen sich theologische und philosophische Studien: seiner Wissbegierde entging keine neuere Erscheinung auf diesen Gebieten, er forschte und prüfte rastlos, die Forschung war clem nach Licht Ringenden der Läuterungsprocess der Wahrheit. Wo durch Forschen der Weg zur Erlangung der Wahrheit gehet, da wird ein kritischer Sinn rege, der nicht nur die Richtigkeit des Gegebenen prüft und abwagt, sondern auch die Authenticität des Gegebenen nach inneren und äusseren Zeichen feststellen will. Eine Grundbedingung bilden hier eingehende historische Studien, durch sie wird die Zeit des Autors und der Umfang der in ihr vorherrsehenden Ideen, sowie der Autor selbst erkannt. Beer’s ungemeine Belesenheit auf dem Gesammtgebiete der älteren und neueren theologischen Literatur — er hatte auch die christliche Theologie, besonders die Forschungen der neueren kritischen Schulen in den Bereich seiner Studien gezogen — verbunden mit ernstem Prüfen, trieb ihn zu historisch-kritischen Untersuchungen auf jüdisch-theologischem Gebiete. Aber die Kritik zersetzt und löst auf, und sie konnte ihm daher nicht genügen. Beer’s wissenschaftliche Natur war eine construirende: bildete doch seine Seligkeit, bei einem höchsten, das Ganze umspannenden Endpunkte angelangt zu sein! Ihm war daher Bedürfniss, auch in der Literatur einen einigenden, umspannenden Gedanken, ein System aufzufinden, und er kam ihm durch geistreiche Classificationen nahe. — Ferner hatte sein durch Naturau schaumigen gehobenes poetisches Gemüth in ihm den Drang nach harmonischer Verbindung der häufig auf jüdiseh-theologisehem Gebiete in sich zusammenhanglosen, um eine Lichtgestalt gruppirenden dichterischen Lichtgebilde rege gemacht. Seinem weit- und hellblickenden