Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Saisset über die Philosophie der Juden [Nachricht]
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 204 (sequence 1)
- Language
- German
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204 ' Notizen. Saissct über die Philosophie der Juden. Die Revue des deux-mondes vom 15. Januar d. J. enthält einen Aufsatz von dem bekannten Uebersetzer des Spinoza, Emile Saisset, der üb er schrieben ist: La philosophie des Juifs. Dieser Aufsatz, der sich an die Arbeiten Munk’s und Frankls lehnt, erregt das Interesse des jüdischen Lesers weniger durch das Neue, das er bietet, als durch die Thatsache, dass man dem gelehrten und geistvollen Verfasser desselben noch die frische Ueberraschung ansieht, die ihm die Lectüre des More in der Munk'sehen Uebersetzung gemacht hat. Es wird ihm sofort nicht blos die persönliche Bedeutung des Maimonides klar, sondern auch sein Einfluss auf die Philosophen der katholischen Kirche, und dass Maimonides ״est 16 precurreur de saint Thomas d’Aquin.“ Vor Allem bewundert Saisset Maimonides5 Erklärung der Prophetie und die durch Nichts zu heirrende Durchführung dieser Erklärung durch alle Schwierigkeiten der Einzelstellen. Aber er benutzt seine Kenntnis8 des maimonidischen Werkes auch zur Entscheidung einer Frage, die freilich in der Form nicht erst hätte aufgeworfen werden sollen und in Deutschland auch schwerlich so aufgeworfen worden wäre. Vor Kurzem nämlich hatte Cousin, um Cartesius von der Vaterschaft und Malebranche von der Verschwägerung mit dem Spinozismus zu entlasten, die Behauptung aufgestellt, 8pinoza dürfe gar nicht mit Cartesius in Zusammenhang gebracht werden, sondern — bezeichnend genug — entweder mit Maimonides oder mit der Kabbala. Saisset bemüht sich nun, aus seiner Kenntniss des Maimonides eine durch Nichts als durch die allervagsten Analogien aufrecht zu erhaltende Behauptung abzuweisen, und ist darin natürlich glücklich. Was die Kabbala betrifft, so hat freilich schon der Holländer Wächter im 17. Jahrhundert Spinoza einen verkappten Kabbalisten genannt, und Leibnitz findet wenigstens einzelne Analogien zwischen Spinoza und der Kabbala. Aber Saisset gibt mit Recht nicht so viel auf einzelne Analogien, um deswegen den offen zu Tage liegenden Zusammenhang Spinoza’s mit Cartesius in Abrede zu stellen, Die Wahrheit an der Sache ist wohl die: Spinoza verdankte der fruchtbaren Anregung, die ihm die Lectüre der mittelalterlicheu jirdis chen Denker gegeben, die Möglichkeit, aus