Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Berlin [Nachricht]
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829276-2829279--06534-2858267- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Monatschronik. 79 — Die Ansichten, von welchen der Justizminister Simons in Betreif der Anstellung der Juden in seinem Ressort aus ging, sind bis jetzt auch unter Herrn v. Bernuth herrschend gebliieben. Weder ist das Rescript vom 9. Oct. 1851, welches die Juden vom Rieht er amt ausschliesst, aufgehoben worden, noch hat die practische Beschäftigung der im Justizdienst bereits fungirenden Assessoren jüd. Glaubens irgend eine Aenderung erfahren. Dieselben werden nach wie vor von ganzen Zweigen der richterlichen Thätigkeit, namentlich von den Functionen des. Prozessrichters ferngehalten und wohl zu Rechtsanwälten, aber nicht zu Richtern ernannt. Dem gegenüber ist die Bestätigung der Nachricht, dass Herr v. Bernuth hierauf bezügliche Anträge beim Gesainmtministerium gestellt habe, noch abzuwarten. — Im Abgeordnetenhause sitzen zwei Juden: Commercienrath Reichenheim aus Berlin und Dr. Kosch aus Königsberg. Breslau. Hier hat sich ein ״Verein zur Verbreitung der Wissenschaft des Judenthums" gebildet, der es sich zur Aufgabe macht, durch ״wissenschaftliche Vorträge" und freie Discussionen der Mitglieder das Interesse für das Judenthum und seinen geistigen Gehalt zu wecken und zu erhalten, und sowohl dem Indifferentismus als den extremen Richtungen entgegen zu wirken. Neben regelmässigen Vorträgen über religionsphilosophisehe Themata, die einem Fachgelehrten übertragen worden;, hat der Verein eine Reihe von Vorlesungen über alle Gebiete jüdisehen Wissens angekündigt, deren Abhaltung mehrere Gelehrten hiesigen Ortes bereitwilligst übernommen haben, und somit einen neutralen Boden geschaffen, auf dem sich die Vertreter aller Richtungen friedlich begegnen werden, da Parteibe streb ungen im Verein kein Raum gegeben ist. Der Verein, der bereits 200 Mitglieder zählt, wurde am 19. d. eröffnet und behalten wir uns fernere Mittheilungen über dieses entsprechende Institut vor. Corfu. Während das seit 100 Jahren bestehende ״casino vechio" zu Triest bei der Aufnahme jüdischer Mitglieder auf heftige Opposition stösst, hat die hiesige Casinogesellschaft einstimmig die Zulassung der Juden beschlossen und den Namen ״Fortschrittsverein" angenommen. Kopenhagen. Der durch seine Genremalerei berühmte jüdisehe Kiinster Friedländer ist gestorben. Leipzig. Der im Jahre 1859 gestiftete ״V erein zur Förderung