Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 13)
- Language
- German
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Dr. Bernhard Beer. 53 gefiihrfc, wurden ferner die Lehrgegenstände erweitert auf deutsche Sprache, Geschichte, Geographie u. s. w. — Schwieriger war die Aufgabe, auf die einstige entsprechende Thätigkeit der die Schule verlassenden Jugend hinzuwirken. Hier standen nicht etwa Yorurtheile entgegen; diese waren überhaupt bei dem für das Bessere empfänglichen Sinn der Juden Dresdens leicht zu beseitigen: die Landesgesetze selbst raubten, wie sich weiter ergeben wird, der Einführung des Bessern jede Aussicht auf Erfolg. In solcher verhängnissv ollen׳ Zeit, wo es des doppelten Muthes bedarf, der Hoffnung auf eine bessere Zukunft Raum zu geben, da ist’s, wo die Einwirkung grosser Verstorbenen sich bei edlen Menschen kundgibt: sie richten sich an ihnen auf, fühlen, in sich ihren Geist einziehen, und nehmen in ihm den Kampf mit Hindernissen und Besehwerden auf. Mendelssohn, sein grosser Lehrer, begeisterte Beer zu einem unter den gegebenen Verhältnissen kühnen Unternehmen. Der hundertjährige Geburtstag Mendelssohn’s rückte heran; da wurde in B. der Gedanke rege, einen ״Mendelssohn-Verein" zu begründen, der sich zum Zwecke setze, ״Handwerke, Künste und Wissenschaf־ ten, sowie jede nützliche Thätigkeit bei der hiesigen (Dresdener) israelitischen Jugend zu befördern und überhaupt den geistigen Zustand der Israeliten möglichst zu verbessern"*). Der Verein trat unter Mitwirkung des für Gemeindezwecke sehr thätigen Arztes E. Collin**) und anderer achtbaren Männer, im Jahre 1829in’s Leben. Als• seine Hauptaufgabe betrachtete der Verein, jüd. Jünglinge dem Handwerke zuzuführen und so dem oft gemachten Vorwurfe, der Jude sei der handwerkerischen Thätigkeit abgeneigt, entgegen zu treten. Es fanden sich auch bald jüd. Familienväter, die ihre Kinder dem Handwerke widmeten. ׳ Aber nun trat die grosse Schwierigkeit hervor, bei wem die Knaben das Handwerk erlernen sollen. Jü- *) Vgl. Rede bei der Gedächtnisfeier Moses Mendelssohn’s an dessen hundertjährigena Geburtstage. Von B. Beer. Dresden 1830. '**) Von ihm'besitzen wir die Schrift: Die Beschnei düng der Israeliten. Leipzig 1842, ferner einige Aufsätze in Frankel’s Monatsschrift für die relig. Interessen des Judenthums. 1. und 2. Jahrgang.