Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Aus der Vorzeit
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 439 (sequence 2)
- Language
- German
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Notizen. 439 dierte sie in den Büchern ihrer Bibliothek, trieb hauptsächlich Orientalia und ganz besonders jüdische Literatur, sie hatte sich auf die Kabbala verlegt. Ausserdem bebaute sie einen kleinen Garten und verkehrte viel mit Juden, die sehr häufig bei ihr aus- und eingingen und mit denen sie auch einen lebhaften Handel trieb: sie mussten ihr unter andern die ungalanten, garstigen, derben Spottmünzen auf kaufen, die der König, der ungemein aufgebracht über sie war, auf sie hatte schlagen lassen. Als sie der Prinz von Linge (damals österreichischer Dra-. goner-Obrist) 1762 besuchte, theilte sie ihm mit, dass sie sich damit beschäftigt habe, alle Religionen zu studiren, und zuletzt habe sie sich für die jüdische entschieden. Ihrem Bekenntnis8 nach war sie Protestantin und blieb es auch äusserlich mit ihren Kindern; damals war sie 82 Jahre alt. Auch eine im Jahre 1847 erschienene Biographie des Apothekers Martius bestätigt die rabbinisch-talmudischen Prädilectionen der interessanten Frau — aus Mittheilungen eines gelehrten Orientalisten seiner Zeit, des Superintendenten Bodenschätz, in dem baierischen Städtchen Bayersdorf. Dieser renommirte Mann erhielt einst, als er noch Pfarrer in Uttenreuth war, einen Brief mit 20 Thalern, worin ihm ein angeblicher Borromäus Lobgesang aus Bischofswerde bei -Stolpen Auftrag ertheilte, ihm die Pirke Aboth aus dem Räbbinischen zu übersetzen. Er besorgte das in wenigen Tagen und erhielt darauf 6 Ducaten Honorar nebst vielem Danke. Darauf wurden ihm noch mehrere hebräische Traktate zur Uebersetzung zugesandt und er erhielt jeden Bogen mit einem Louis d'or honorirt. Boden sch atz war angewiesen, seine Briefe nach Dresden zu adres- •siren und erfuhr auf Erkundigung, dass ein Bote aus Schmiedefeld die Briefe sowohl bringe, als abhole; nach Weiterem zu forschen sei nicht räthlich. Endlich kam einmal eine Einladung von dem unbekannten Oorrespondenten, persönliche Bekanntschaft in Dresden zu machen, das Reisegeld werde — wie auch geschah — erstattet werden. Bodenschatz traf den unbekannten Correspondenten in Dresden. Dieser trat ihm in vollem Ornate des jüdischen Hohepriesters im Alten Testamente entgegen. Es war die Gräfin Cosel. Bodenschatz erkannte sogleich das Gesicht einer Dame unter der Mitra. Sie empfing den gelehrten Herrn nun öfters, erwies ihm alle mögliche.Aus-